Könnt Ihr Euch noch daran erinnern, dass wir am Vortag den Wagen nicht starten konnten? Heute sollte dieses Problem in Angriff genommen werden. Das erste, was ich an diesem Morgen tat, war den neuseeländischen ADAC, hier AA, anzurufen. Innerhalb von 40 Minuten wollte die Hilfe angerollt kommen. Ich bat schon im Vornherein nach einem größerem Starterpack. Das Problem hatten wir ja schon mal!
Kaum wollte ich frühstücken, klingelte das Telefon. Der AA Mann war auf der Zufahrt und konnte das Haus nicht finden und bat mich, doch vor die Tür zu treten, so dass er sehen konnte, wo er hin muss. Gesagt - getan. Nach kurzem bla bla, stöpselte er die beiden Wagen zusammen.
Erste Lebenszeichen waren vom Wagen zu erkennen - die Konsole leuchtete wie ein Weihnachtsbaum. Ich sollte das Auto starten, was ich auch tat. Da es ein Hybridauto ist, startet der lautlose Elektromotor. Man hört also absolut nichts. Der AA Mann bat mich nochmals, den Wagen zu starten, weil er den Motor nicht vernahm. Nur weil ich verheult aussehe, bin ich doch nicht blöd!!! Nachdem dieses "Missverständnis" gelöst war, machte ich mich gleich auf den Weg zur Toyota Werkstatt. Die erwarteten mich bereits. Das Auto musste ich allerdings da lassen.
So, mit knurrendem Magen machte ich mich auf den Rückweg nach Hause. Zuvor wollte ich aber noch bei der Bibliothek vorbei - Bücher mussten zurückgegeben werden. Ich stieg also in den Bus ein. Ein Ticket kostete NZD 3,50 von der Innenstadt nach Johnsonville, wo ich die Bücher abgeben musste. Bei der Gelegenheit kaufte ich auch gleich Toastbrot und Äpfel (2,5 kg) ein. Es nieselte, und ich entschied mich, den Bus nach Hause zu nehmen. Ich musste nochmals NZD 1,50 zahlen. Vom Bus ausgestiegen, warf ich einen Blick in die graue Wolkenmasse über mir. Erinnerte mich sehr stark an meine Stimmung. Auf dem kurzen Fußweg zum Haus, traf es mich wie einen Blitzschlag - ich hatte die Haustürschlüssel vergessen!!! Muss immer alles aufeinmal einem passieren? Ich hatte die Nase gestrichen voll. Wie konnte ich den Schlüssel vergessen?
Die Erklärung ist ganz einfach. Vergessen hatte ich ihn eigentlich nicht. Ich hatte bisher fast nie den Schlüssel bei mir gehabt. War ja auch nicht nötig: seitdem wir eine Garage mir automatischem Tor und einem internen Zugang zum Haus haben, brauche ich doch keinen Schlüssel. Den Garagentoröffner hätte ich allerdings aus dem Wagen mitnehmen sollen, bevor ich ihn bei der Werkstatt ließ. Wat nu? Es war gerade mal 12:30 Uhr. Der Lange würde vor 18:00 Uhr nicht auftauchen. Die Nachbarn kannte ich auch nicht, um mich bei ihnen einzunisten, und die Einkaufstüte wurde bei dem leichten Nieselregen auch nicht leichter. Ich entschied mich, wieder in die Innenstadt zu fahren. Zuvor stopfte ich die Äpfel bei uns in den Briefkasten. Die Brote nahm ich als Verpflegung für unterwegs mit. Mann, hatte ich einen Hunger. Und wieder wurde ich 3,50 los.
Als Zufluchtsort diente die große Zentralbibliothek, in der es deutlich mehr zu schmöckern gab als in dieser kleinen Vorortsbiblio in Johnsonville.
So gegen 15:00 Uhr wollte sich Toyota bei mir melden, ob und wann ich den Wagen abholen konnte. Sie notierten Festnetz- und Handynummer. Naja, auf dem Festnetz würden sie mich nicht erreichen können, aber auf dem Handy. Handy? Wo war das eigentlich? Oh nein, zu Hause im Schrank. So, jetzt war der Moment gekommen, an dem ich noch geknickter durch die Gegend lief. Jeder Mathematiker hätte sich über so einen 90° Winkel gefreut ;)
Was mache ich nu? Auf gut Glück tanzte ich bei Toyota vor. Es war inzwischen 15:30 Uhr oder so. Der Wagen war abholbereit. Wow, wenigstens eine gute Nachricht an diesem Tag. Sie hatten die Batterie, die irgendwo unter den Sitzen eingebaut ist, ausgebaut und aufgeladen. Hoffentlich bringt es etwas.
Ich dachte mir, wenn ich schon in der Innenstadt bin, könnte ich den Langen von der Arbeit abholen. Würde er aber so früh Schluss machen?
Es war inzwischen 16:20 Uhr. Der Lange war überrascht mich zu sehen. Auch ihm konnte man die Enttäuschung über den gestrigen Tag ansehen. Er wollte aber erst gegen 17:00 Uhr Feierabend machen. Also saß ich da und sah "Tom und Jerry" auf unserem Iriver an. Als es dann endlich soweit war, sprach uns die deutsche Arbeitskollegin an, der wir dann auch unser Horror-Erlebnis mitteilten. Nach reichlich "Ausheulerei" fuhren wir dann endlich los, um richtiges Abendbrot mit Tellern und Stahlbesteck zu uns zu nehmen.