Donnerstag, 31. Juli 2008

17.01.08 The Police Concert

Heute war es also endlich soweit - das langersehnte Konzert von 'The Police'. Einlass in die Westpac Arena war um 18.30 Uhr. Das Wetter war trocken und relativ warm. Unsere Plätze befanden sich auf der riesigen Rasenfläche der Arena. Das ganze Grün war von weißen Plastikstühlen förmlich übersät. Unser Blick zur Bühne war ausgezeichnet - nur ca. 100 Meter entfernt. Um 19.15 Uhr trat dann die erste, für mich unbekannte, Gruppe auf. Als das Gejaule endlich vorbei war, trat Fergie auf, deren Lieder in den neuseeländischen Charts hoch- und runter gespielt wurde. Die Songs kamen uns schon aus den Ohren raus; jetzt auch noch live!!! Ihre Show war energiegeladen und (für uns) unterhaltsam: ihre Tanztruppe bestand eigentlich nur aus Farbigen, wobei zwei Tänzerinnen uns das Gefühl gaben, direkt aus dem MC Hammer Musik Videoclip "Can't touch this" entsprungen zu sein. Sie hatten sehr kräftige Beine. Eigentlich bestanden nur aus mächtigen Beinen!!! Wer dieses Video nicht kennt, sollte sich das unbedingt antun ;)))
Ein paar Sitzplätze weiter rechts wurden wir von einem Mann angesprochen, der wohl so um die 40er herum einzuschätzen war - altersmäßig natürlich. Er stellte sich mit Namen und Berufsbezeichnung vor. An seinen Namen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber er war bzw. ist Kleinbauer. "Wenn 'The Police' auftritt, werdet ihr doch richtig mitrocken, oder?", fragte er uns. Für seinen Geschmack saßen wir wohl zu ruhig auf unseren Plastikstühlen. Kein Wunder: wer die Songs im Radio schon immer wegdrückt, wird live nicht gerade in Extase geraten!!!
Nach zig Stunden ging es dann endlich los: mein Lieblingssänger Sting trat mit "seiner alten" Truppe 'The Police' auf. Die Betonung lag auf alt. Auch diese Herren kamen in ihre Jahre. Sting hatte einen vollen Rauschebart. An das musste ich mich erst einmal "gewöhnen". Aber einen schönen Mann kann nichts entstellen. Oh oh, ich hoffe, mein Langer wird nicht eifersüchtig, wenn er das liest :)
Die Zuschauer standen natürlich alle auf, vorher saßen sie noch brav. Ich, die Kurze, musste mir mal wieder ein Guckloch suchen. Der Lange schlug sogar vor, mich auf seine Schultern zu nehmen, was ich dankend und voller Skepsis abgelehnt hatte. Ich wollte ihn ja nicht in den Boden rammen!!! Wozu gab es denn die riesigen Leinwände? Die Songs waren natürlich alle toll. Die Textteile, die wir auch kannten, sangen wir laut mit; bei den anderen Stellen kam nur ein lalala heraus. Wir wippten und tanzten zur Musik. Für unseren Nachbarn weiter rechts war das aber anscheinend immer noch nicht genug. Der war vollkommen außer Rand und Band und total verschwitzt. Das T-Shirt oder Hemd war auch schon nicht mehr an seinem Körper. Er stachelte uns ständig an, doch mehr herumzuhüpfen und alles im Umkreis von zwei Metern "unsicher" zu machen. Wir ließen uns aber nicht so von der Seite anschnacken und genossen das Konzert in vollen Zügen. Aber auch schöne Dinge enden mal. In diesem Fall war es ca. 23 Uhr.
Auf dem Weg zum Ausgang trafen wir sogar "unsere" Ärztin, die uns für die Immigrationsgeschichte hier gesundheitlich unter die Lupe nahm. Sie erkannte uns auch auf Anhieb. Tja, Neuseeland ist schon echt ein kleines Dörfchen!!!!
Nochmals einen lieben Dank an die Güsteraner-Eltern, denn denen hatten wir dieses schöne Konzert zu verdanken. Auf solche Weihnachtsgeschenke freut man sich!!!

Mittwoch, 25. Juni 2008

04.01.08 Napier / Heimfahrt

Am heutigen Tag standen wir frühzeitig auf; die Erdbeerkonfitüre schrie ja förmlich nach mir. Kaum saßen wir am Tisch, kam die B&B Besitzerin an und fragte, wieviele Toastscheiben wir wollten und was wir trinken wollten. So ganz nebenbei fragte ich auch nach der leckeren Konfitüre. Wir hatten noch Glück: es gab ein kleines Schälchen. Der Tag war für mich schon mal gerettet! Genüßlich schlemmten wir. Eines war aber merkwürdig: die Besitzerin kam so ca. alle 5 Minuten an und fragte, ob wir die Erdbeerkonfitüre denn noch essen wollten. Wir bejahten diese Fragen immer wieder. Ich bin doch schließlich ein Gourmet und kein Gourmant! Als wirklich nicht mehr viel von der Konfitüre im Schälchen war, fragte sie nochmals. Ich bejahte wieder und fragte aber diesesmal nach dem Grund ihrer Fragerei. Es stellte sich heraus, dass wir das letzte Schälchen abbekommen hatten und dass ein weiteres Pärchen an dieser Konfitüre interessiert war, und sie deutete unauffällig auf dieses in der Ecke an einem Tisch sitzenden jungen Paar. Wir trauten unseren Augen nicht: es war das Paar, mit denen wir am gestrigen Tag über genau diese Konfitüre gesprochen hatten und dass sie diese unbedingt probieren sollten. Innerlich konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen und kullerte mich geistig auf dem Fußboden. Ich glaube, dass es dem Langen genau so erging. Diese kurze, aber amüsante Geschichte erzählten wir auch der Besitzerin. Die hat sich auch ziemlich am Riemen reißen müssen. Das Lachen konnte sie sich aber dann doch nicht verkneifen. Als alle anderen Gäste fort waren, lachten wir nochmals herzhaft über diese urkomische Situation.
Wir packten unsere Siebensachen in den Wagen und fuhren los. Der Wein wartete schließlich auf seine neuen Besitzer! Kaum waren die Anfahrtspunkte in unseren Navi eingegeben, waren wir auch schon auf und davon und kauften die Weine ein, die uns am gestrigen Tag so gut geschmeckt hatten. Bei einer neuen Winzerei hatten wir aber auch nochmal einen Stopp eingelegt. Laut Reiseführer lohnte sich dieser Stopp. Die Winzerei "Mission" lag auch wirklich auf einem schönen Fleckchen Erde: die Weinreben lagen sozusagen einem zu Füßen, und das prachtvolle Gebäude thronte über ihnen. Einst war dieses Gebäude ein Kloster gewesen, daher der Name und das Kreuz auf dem Giebel. Der Lange machte auch heute wieder eine Weinprobe. Ich durfte nichts trinken. Ich mußte ja schließlich fahren :(
Während unseres Besuches der "Mission" wurden Vorbereitungen für eine Hochzeit getroffen. Am liebsten hätte ich mir auch nochmal hier mein Brautkleid angezogen und den Langen vor den Altar gezerrt. Den natürlich vorher noch ordentlich mit Wein abfüllen. Dann hätte er wieder: "Ja, ich will" gesagt.
Als unsere Einkaufstour vorbei war, sollte es endlich wieder nach Wellington gehen. Unsere Neugier fand aber kein Ende. In dem Reiseführer wurde ein "besonderer" McDonald's als weitere Sehenswürdigkeit angepriesen. Wenn das schon so ist, mußten wir auch da hin. Es stellte sich als ziemlich interessant dar: es ist der wohl einzige McDo im Art-Deco-Stil. War irgendwie urig.
Der Laden war zwar von außen und innen sehr nett, der Duft allerdings ist der gleiche, wie in jedem anderen McDo. Merkt man gleich, dass wir keine McDo-Gänger sind? Als auch diese Quälerei vorbei war, folgte auch schon die nächste: die lange Fahrt nach Wellington. Kilometermäßig mag es nicht viel sein, aber da die Straßen meist nur einspurig sind (in einer Richtung) und auch noch sehr kurvig sind, können einem z.B. 100km wie eine Ewigkeit vorkommen. Es wunderte also niemanden von uns, dass wir mal wieder spät abends in den eigenen vier Wänden ankamen - total platt und wieder urlaubsreif.

Donnerstag, 19. Juni 2008

3.1.08 Napier

Den Langen mit Schmerzmitteln und anderen Drogen vollgepumpt, wollten wir uns Napier mal genauer angucken.
Napier ist ein schnuckelig, kleines Städtchen mit ca. 55000 Einwohnern. Im Ortskern findet man vornehmlich Gebäude im sogenannten Art-deco-Stil der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre. Warum stellt man sich jetzt die Frage. Der Grund ist allerdings ein trauriger:
Am 3. Februar 1931 um 10.47 Uhr morgens legte ein gewaltsames Erdbeben, mit einer Stärke von 7,9 auf der nach oben offenen Richterskala, die gesamte Stadt in Schutt und Asche. Dieses Beben war so stark, dass man es sogar im fernen Großbritannien registrieren konnte. In den darauf folgenden zehn Tagen bebte die Erde noch ca. 580 mal. Für damalige Zeiten war die Anzahl der Toten ziemlich hoch: insgesamt 258. Die Wasserversorgung war ein riesiges Problem, da der große Wasserturm umgekippt war. Die Menschen ließen sich aber nicht unterkriegen und bildeten ein Kommitee, das sich mit dem neuen Gesicht der Stadt beschäftigte. Man nahm sich die Kalifornier als "Vorbild". Deren Stadt Santa Barbara wurde nämlich auch von einem Erdbeben vor sechs Jahren zerstört. Neuaufgebaut hatten sie es dann im spanischen Stil. In Napier entschied man sich für den Art-deco-Stil, damals noch Modernism genannt. So schlimm ein Erdbeben sein mag, manchmal hat es auch etwas Gutes: Napier bzw. Neuseeland nahm um 33,43 qkm zu. Dieses neue Land nutzte man für einen Flughafen und Neubausiedlungen. In zwei Jahren war Napier wieder aufgebaut.
Dieser Tag empfing uns mit herrlichstem Wetter. Nach einem super leckeren Frühstück, war ja diesesmal B&B mit selbstgemachter Erdbeerkonfitüre, wollten wir uns die Stadt und die Art-deco Gebäude mal näher angucken. Im Ortskern war man von diesen Gebäuden umzingelt, und wir fühlten uns in die Vergangenheit zurück versetzt. Will man dieses Gefühl noch verstärken, muss man am dritten Wochenende im Februar hierher kommen. Beim Art-Deco-Festival feiert die ganze Stadt: viele kleiden sich im 20/30er-Jahre Stil, zeigen ihre Oldtimer auf den Straßen, und von überall erklingt Jazz Musik. Muss ein wirklich schönes Erlebnis sein; Unterkünfte sind Wochen ja sogar Monate vorher ausgebucht.

Der Lange stackste so durch die Stadt, und wir knipsten uns die Finger wund. Ich weiß von meinem Langen, dass er dieses Bummeln überhaupt nicht mag. Für seinen Rücken war diese Art der Anstrengung auch wohl nicht so optimal. Was macht man also, wenn man nicht richtig laufen kann? Man säuft sich die Hucke voll!!!
Bei inzwischen 33°C im Schatten entschieden wir uns für eine geführte Weintour, damit wir beide saufen konnten. Diese ganze Gegend ist für guten Wein bekannt, schließlich herrschen hier über das ganze Jahr gesehen milde Temperaturen. Geführte Weintouren gibt es hier wie Sand am Meer - Touren per Bus oder sogar per Fahrrad von Winzerei zu Winzerei. Darf man eigentlich sich per Fahrrad fortbewegen, wenn man einen sitzen hat? Es gibt sogar Touren, die um 9.00 Uhr morgens starten und den ganzen Tag dauern. Wir wollten aber nicht gleich nach dem Zähneputzen die Zähne desinfizieren. Zum Glück gibt es ja auch noch Nachmittagstouren.
Wir wurden zunächst mit einem Kleinbus abgeholt um dann in einen riesigen Reisebus umzusteigen, der uns zu vier Winzereien fahren würde. Anfangs waren die Leutchen sehr schweigsam im Bus, nur die Fahrerin erzählte etwas über die Gegend und über den nächsten Stopp in der Weinerei, ich meine natürlich Winzerei. Der erste Stopp gefiel mir persönlich sehr gut. Die Umgebung war wunderschön, und der Wein floss. Von Winzerei zu Winzerei wurde die Fahrerin immer stiller, dafür aber die Fahrgäste immer lauter und lustiger. Es gab zwar immer nur winzige Schlückchen an Wein, aber ein leerer Magen und heiße Temperaturen verursachten, dass der Alkohol förmlich direkt ins Hirn schoss. Gekauft hatten wir allerdings keinen Wein. Betrunken soll man ja keine weltbewegenden Entscheidungen treffen. Noch im nüchternen Zustand hatten wir beschlossen, erst alles auszuprobieren, und die, die uns geschmeckt hatten zu notieren, um dann am nächsten Tag mit klarem Kopf einkaufen zu fahren. Ich kann mich gar nicht mehr richtig daran erinnern, was wir direkt nach der Weintour gemacht hatten. Filmriss.
Unser Abendessen hatten wir im "Wok u want". Hier konnte man sein Essen selbst zusammenstellen, mit allem drum und dran. Alles, was man in die Schüssel stopfen konnte, wurde dann vom Koch direkt vor den Augen des Kunden auf einer großen heißen Platte gebrutzelt. War echt lecker, und Softgetränke gab es bis zum Abwinken. So am Abend kamen wir noch ins Gespräch mit neuen Gästen in unserem B&B und erzählten von unserer Weintour. Vom Frühstück und der hausgemachten Erdbeerkonfitüre hatten wir auch noch geschwärmt. Diese sollten sie unbedingt am nächsten Morgen probieren!

Samstag, 14. Juni 2008

2.1.08 Whitianga/Napier

Nach einer nicht so guten Nacht standen wir früh auf. Nach einem verkrampften Frühstück beschlossen wir dann auch, so schnell wie möglich zum Arzt zu gehen. Dieser Zustand war nicht mehr normal. Der Lange konnte nicht aufrecht gehen, geschweigedenn überhaupt richtig gehen. Alles wurde in den Wagen gestopft. Nachdem wir an der Rezeption der Jugendherberge nach einem Arzt in der Nähe fragten, bekamen wir eine sehr verwirrende Wegbeschreibung. Die Zeichnung, die uns dann in die Hand gedrückt wurde, half uns auch nicht weiter. Unsere einzige Hoffnung war unser Navigationsgerät. Dieses leitete uns auch direkt und zuverlässig zum Arzt; dieser war sogar in unserem Gerät "eingespeichert". Der Lange benutzte mich wieder als Stütze, und wir schlichen uns förmlich durch die Hintertür in die Praxis. Das Wartezimmer war vollgestopft mit hauptsächlich älteren Menschen. Aber sogar die bewegten sich geschmeidiger als der Lange. Nach einer akzeptablen Wartezeit, ging es in Zeitlupe zum Behandlungsraum. Der Arzt empfing uns an der Tür, allerdings ohne Handschlag. Diesen hatten wir ihm aber doch noch auferzwungen. Der Lange war nun dran, zu erzählen, wie er zu seiner Haltung gekommen war. Der Arzt wollte es sehr genau wissen, da bei einem plötzlich auftretenden Schmerz (wenn man z.B. etwas falsch angehoben hat) die sogenannte ACC für die Behandlung die Kosten übernimmt. Wir hätten eigentlich nur etwas mogeln müssen, da wir aber beide ehrlich sind, taten wir es nicht. Der ganze Zustand wurde von Minute zu Minute schlimmer, also kein plötzlicher Schmerz. Zur genaueren Untersuchung sollte sich der Lange bäuchlings auf die Liege legen, die für meinen Geschmack extrem kurz war. Sie reichte dem Langen gerade mal bis kurz unter´s Knie. Ich half ihm auf die Liege. Der Arzt krümmte keinen Finger. Als wir die Liege sahen, wurde uns beiden ziemlich übel. Das Kissen war total verschuppt. Der Lange wusste gar nicht, wie er sich darauflegen sollte, ohne diese Schüppchen einatmen zu müssen. Ich bemerkte sein zögern. Letztendlich verschänkte er seine Arme und lag da nun. Der Arzt drückte hier und da auf seinen Rücken und gab sonst keinen weiteren Ton von sich. Der Lange musste dann wieder aufstehen. Erst da sah ich, wie der Rücken aussah. Es war förmlich ein "S" in seinem Rücken zu sehen. Die Muskulatur war so verkrampft, dass die Wirbel aus der Reihe tanzten. In Deutschland hätte unser Arzt dem Langen eine Entspanungsspritze gegeben. Aber als ich diesen Arzt nach soetwas fragte, guckte er mich an, als ob ich von einem anderen Stern käme. Eine Voltaren-Spritze würde doch die Muskulatur auflösen. Ich hatte doch von einer derartigen Spritze gar nicht gesprochen!!! Der einzige Rat von ihm: "Nehmen Sie 3x täglich je Voltaren- und Paracetamoltabletten. Das wird reichen. Ein Physiotherapeut wäre auch nicht schlecht." Auf meine Frage hin, ob Massagen auch etwas bringen würden, bejahte er diese nur kurz. Für ein Voltaren-Rezept und diese tolle hygienische Untersuchung bezahlten wir am Ende 100 Dollar. Der Arzt hieß mit Nachnamen übrigens MacDonald. Für meinen Geschmack war das ein ziemlich teurer M(a)cDonald´s Besuch!!! Der Kommentar des Langen: "Zu so einem Wald und Wiesen gehe ich nicht nochmal!" Mit dem Rezept in der Hand statteten wir der Apotheke in dem kleinen Örtchen auch noch einen Besuch ab. Da musste ich relativ lange auf die Tabletten warten. Der Grund war keine lange Schlange. In Neuseeland scheint es üblich zu sein, den Arzt zu kontaktieren, der das Rezept ausgestellt hat, um sicher zu gehen, dass alles auch seine Richtigkeit hat. Nachdem ich endlich die Tabletten hatte, konnte die Fahrt Richtung Napier auch endlich losgehen. Wir machten reichlich Pausen, damit der Lange sich auch mal bewegen konnte. Bewegung sollte ja auch ganz gut tun. Bei einer längen Pause aßen wir auch eine Kleinigkeit. Es war eine kleine Parkbucht mit zwei Picknick-Tischen und Bänken. Dieses Päuschen wurde auch für eine Massage genutzt. In unserer Nähe war ein Campervan mit einem älteren Pärchen. Ich wette, dass der Mann seiner Dame tief in die Augen guckte, in der Hoffnung, von seiner Herzensdame auch eine Rückenmassage zu bekommen. Aber auch jede noch so schöne Massage hat ein Ende.
Am späten Nachmittag kamen wir dann schließlich in Napier an, einer kleinen Stadt im Osten der Nordinsel in einer der sonnigsten Gegenden Neuseelands. So zum Ende unserer Nordinseltour gönnten wir uns ein Bed & Breakfast. Zunächst mussten aber auch hier Taschen geschleppt werden. Da der Lange zu diesem Zeitpunkt zu wirklich nichts zu gebrauchen war, musste ich den Part des Packesels übernehmen. War wahrscheinlich ein Bild für die Götter: der Lange hatte als Alibi eine kleine Tüte, und ich war kam mir vor, wie ein vollbehangener Weihnachtsbaum. Ein Bild von uns beiden in diesem Moment wäre echt lustig gewesen.

Sonntag, 8. Juni 2008

1.1.08 Whitianga

Prosit Neujahr!!! Wir haben es ins Jahr 2008 geschafft.
Und wieder ein wunderschöner sonniger Tag. Heute war es etwas erträglicher dank des aufgefrischten Windes. Da wir noch nicht am Strand in Richtung Norden gegangen waren, packten wir dieses heute auf die Tagesordnung. Barfuß am Strand, durchs Wasser watend, ließen wir uns von der Sonne anscheinen.
Es war auch Mülltag, zumindest machte es so den Anschein. Die Straßenränder waren gesäumt von den grünen Recyclingtonnen gefüllt mit leeren Bierflaschen, Weinflaschen und sonstigen vormals alkoholisch gefüllten Flaschen. Und je jünger die Partygemeinschaft am Vortag, umso größer der Müllberg.

Die sommerliche Kleidung war vielleicht für den Wind am Strand doch etwas zu luftig. Der Lange verspührte, wie sich so langsam sein Rücken verkühlte und dann verkrampfte. Leider nahm dieser Zustand immer weiter zu und wir machten uns doch lieber auf den Heimweg. Es half etwas, dass sich der Lange auf dem Bett ausstreckte und den Rücken ruhen ließ. Nebenbei genoss er auch noch die Rückenmassage von der Kurzen. A propo kurz: Hatte ich schon erwähnt, dass die Bettlänge für den Langen nicht ganz gereicht hatte? Der Arme musste immer die Beine leicht anwinkeln. Ich glaube, jeder weiß das Gefühl am nächsten Morgen, wenn man so halb in der Fötushaltung geschlafen hat. Nicht gerade angenehm. Wir hatten aber keine Zeit zum Heulen und Jammern, denn zum Abend wurden wir ja im Eggsentric erwartet, wo der exzentrische Koch auf uns wartete. Also wieder los, am Strand zur Fähre, einmal rübersetzen, dann noch ein Kilometer gegangen, und schon kann das Abendessen beginnen. Das war übrigens mal wieder richtig lecker. Der Lange konnte leider nicht richtig dasitzen. Viele werden wahrscheinlich gedacht haben, dass der Lange extrem gute Sitzmanieren hat. Er saß nämlich stocksteif da. Der Arme tat mir richtig leid. Auf meinen Schultern sich abstützend ging es dann auch wieder zurück zur Jugendherberge in kurze Betten.

Mittwoch, 28. Mai 2008

31.12.07 Whitianga

Whitianga ist eine kleine Stadt, oder ich sollte besser sagen ein großes Dorf mit ca. 4000 Einwohnern. Hier gibt es aber wahrscheinlich mehr Boote als Menschen. Der Hafen war vollgestopft mit Booten in allen erdenklichen Größen und Preiskategorien. Man kam sich hier vor wie am Mittelmeer. Strand soweit das Auge reicht. Auch heute war das Wetter fantastisch. Anstatt diesen tollen Tag nur am Strand zu verbringen, entschieden wir uns zu einer Wanderung. Wir wollten ja schließlich etwas sehen. Gesagt, getan. Vollbepackt mit Sonnencreme, Wasser Äpfeln, und Müsliriegeln machten wir uns auf den Weg zur Fähre. Die Überfahrt zur anderen Seite war zwar sehr kurz, aber schön. Wenn man bedenkt, dass man für dasselbe Ziel mit dem Auto fast 46 km (ca. 41 Minuten) fahren müsste, weil man ganz herumfahren muss, lohnt sich dann schon die Fährfahrt für nur einen Dollar, und man ist in wenigen Minuten drüben. Unser erster Aussichtspunkt war der Whitianga Rock mit einem herrlichen Blick über die Back Bay und den Hafenbereich. Der Weg zu dieser Erhöhung lag zum Gück unter schattenspendenden Bäumen. Der Weg war nicht lang, aber doch relativ steil. Auch hatten wir den Anfand dieses Wanderweges zunächst verpaßt und mußten nochmal etwas zurückgehen. Aber oben angekommen wurden wir mal wieder mit einer wunderschönen Aussicht belohnt. Und da ging es dann auch schon dem ersten Apfel an den Kragen. Danach schlugen wir uns dann weiter durch den Busch ohne genau zu wissen, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg waren. Dieser Wanderweg war nicht wirklich gut besucht und dadurch auch nicht sonderlich gut ausgetreten. Interessant war auch noch die Stelle, an der wir ein Stück an einem alten Maori Verteidigungswall vorbeigingen. Der Regen hatte zwar mittlerweile den größten Teil erodiert, aber die Maori hier am Wasser haben sich vorwiegend von Muscheln ernährt, und die Schalen dann alle über den Wall geworfen. Und der Boden war immer noch überseht mit Muschelresten.
Immer an der Küste entlanggehend sind wir auch über den "Shakespeare Kliff" gekommen. Wieder ein Platz mit wunderschöner Aussicht auf blaues Wasser, grüne Hügel und imposante Kliffs. Und das Wasser voll mit Segel- und Motorbooten. Auch an dem Restaurant Eggsentric kamen wir vorbei. Es wird von eimen (wohl exzentrischen) Künstler betrieben, der das Restaurant auch als Austellungsbereich für seine Skulpturen benutzt. Da dieses Restaurant in unserem Reiseführer als besonders empfehlenswert beschrieben wurde, wollten wir uns dort doch ein kleines Mittagessen gönnen. Leider bekamen wir nichts mehr zu Beißen, da die Küche für das abendliche Sylvester Dinner schließen mußte um mit den Vorbereitungen dafür zu beginnen. Da wir schon einmal vor Ort waren, haben wir dann gleich einen Tisch für ein Abendessen am nächsten Tag bestellt.


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Von der Wärme und stetigen Sonneneinstrahlung ermüdet, machten wir uns wieder auf den Rückweg, mit der Fähre zurück nach Whitianga, und dann zur Unterkunft. Und wenn man mit offenen Augen so durch die Straßen zieht, dann sieht man sehr häufig, dass die Häuser 2 Garagen haben. Das sind keine Doppelgaragen, sondern eine normal große Garage und eine supergroße Garage. Man muß es mit eigenen Augen gesehen haben, wie sich so eine Garage öffnet und dann ein kleiner Traktor dadrin parkt mit einem riesigen Boot dahinter. Ja wirklich, eine Garage für das eigene Boot. Und nicht nur eine kleine Jolle, nein ein großes, mit 2 Mitsubishi Motoren ausgestattetes vollwertiges Boot. Und dann zieht dieser kleine, eigens nur dafür vorhandene, Trekker das Boot aus der Garage zum Hafen. Unglaublich, aber wahr.
Eine andere unglaubliche Eigenart der Kiwis ist ihr Wunsch nach Komfort am Strand. Anders kann man es sich nicht erklären, dass wir so viele Sofas am Strand gesehen haben. Mit einem kleinen Transporter oder einem größeren SUV wird das Sofa bis fast auf den Strand gefahren, dann etwa 1.5 Meter vom Auto entfernt aufgestellt und sich draufgesetzt und auf das Meer geschaut. Keine Ahnung, ob das ein extra Strandsofa ist, oder das Sofa aus dem Wohnzimmer dafür verwendet wird. Es sieht auf jedenfall sehr, sehr ungewöhnlich aus.

Auf der Suche nach einem besonderen Sylvesteressen hat es uns dann nach einer kleinen Erhohlungspause in der Unterkunft wieder in das Dorfzentrum von Whitianga getrieben. Etliche Szenebars und -restaurants waren voll ausgebucht, aber ein Thai Restaurant hatte noch auf. Wir haben noch nie beim Thailänder gegessen, zumindest können wir uns nicht daran erinnern. Das hat uns aber nicht davon abgehalten, dort einzukehren, zumal es auch nicht viele Alternativen gab. Wir waren sehr angenehm überrascht über das leckere Essen, was wir dort bekommen hatten und haben thailändisches Essen seit dem immer mal wieder gerne gewählt. So gegen 22 Uhr verließen wir das Restaurant und schlenderten auf Umwegen zurück zu unserer Unterkunft, wo wir so gegen 23:30 ankamen. Noch ein paar nette Worte mit den anderen Gästen gewechselt, und dann wollten wir den Jahreswechsel bei sommerlichen Temperaturen am Strand verbringen. Wo kann man das sonst schon erleben? Von Feuerwerk kann um Mitternacht nicht großartig die Rede sein, da an den Vortagen keines verkauft wird. Ein paar einzelne Raketen stiegen auf, aber ein Erhellen des Himmels war nicht wirklich erfolgt. Keine 5 Minuten nach Mitternacht fing es so langsam an zu nieseln, was uns dann zurück zur Herberge führte, wo wir gerade mit Beginn des Regens eintrafen. Das war mal ein anderes, aber trotzdem sehr interessantes Sylvester, mit T-Shirt, kurzer Hose, Badelatschen und den Magen voll mit thailändischen Leckereien.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Wir leben noch!!!

Hallo liebe Leutchen!
Wir hatten so viel um unsere kalten Lauscherchen, dass ich einfach nicht zum Schreiben gekommen bin. Es tut mir echt Leid. Aber der Entwurf für den nächsten Text existiert schon.

Versprochen: auch blogmäßig schaffen wir es noch in das Jahr 2008!!!

Ich bitte also noch etwas um Geduld. Vielen Dank schon mal.

Die halberfrorene Kurze

Samstag, 29. März 2008

30.12.07 Rotorua/Coromandel

Gut genährt noch vom vorherigen Abend, packten wir in Ruhe unsere Sachen ein, holten vom Bäcker unser Frühstück, um am See zu frühstücken. Mein lieber Mann, war das ein Geruch am See! Als ob das schon nicht genug gewesen wäre, gab es auch noch zahlreiche kleine lästige Fliegen, die das Frühstücken unmöglich machten. So entschieden wir uns auf neuseeländische Art und Weise zu Essen: im kochendheißen Wagen. Nach dieser schweißtreibenden Geschichte gönnten wir uns eine Gondolafahrt auf den Berg, um Rotorua nochmals im Panorama anzuschauen.
Die Gondeln wurden in der Schweiz hergestellt (hmm, warum wohl) und können jeweils 4 Personen transportiern. Wir hatten eine ganz für uns. Traute sich wohl keiner, zu den Fässern zuzusteigen..... Oben angekommen, hätten wir uns in den Hintern beißen können. Nicht weil wir Hunger hatten, nein, weil der Ausblick hier so traumhaft war, dass man das Frühstück hätte hier einnehmen können. Hier gibt es unter anderem auch eine Sommerrodelbahn. Auf einer Art Schlitten fährt man den Berg hinunter, um dann mit dem Skilift wieder hochgefahren zu werden. Bei so einem tollen Wetter könnt ihr euch ja die dementsprechende Schlange vorstellen. Darauf hatten wir keine große Lust. Außerdem hätte man zwei tödliche Geschosse niemandem zumuten können (p=mv sage ich da nur). Nachdem wir das Panorama ausführlich weggeknipst hatten, wollten wir dann auch weiter. Unser nächster Halt war das Agrodome, was sich in einem Themenpark befindet (www.agrodome.co.nz). Hier findet das (Action-)Herz fast alles, was es sich nur wünscht. Man kann z.B. wie Jacki Chan in einem "Hamster-Laufball" einen Berg hinunterlaufen. Schon verrückt diese Engländer, ich meine natürlich Neuseeländer! Unser Interesse galt aber der Schaf-Show. Schon irgendwie lustig: trotz ihrer 40 Millionen Schafe in diesem Land, werden die Neuseeländer nicht müde, alles rund ums Schaf zu bestaunen. Nachdem die Touris aus aller Welt in einer großen Halle zusammengefercht werden, werden diese mit Kopfhörern ausgestattet, wo sie über einen Pult vor ihnen ihre Sprache aussuchen können, in der sie die Show verfolgen wollen. Die Show unterrichtet umfassend, aber auch witzig, über Neuseelands wichtigsten Exportartikel. Aufzucht und Schafschur werden vorgeführt. Wusstet ihr, dass es bei Schafen einen bestimmten Punkt in der Lendengegend gibt, der, wenn man auf ihn drückt, das Schaf dazu bringt, das Bein auszustrecken? Sieht schon sehr lustig aus, aber bei der Schafschur muss man eben gewisse Tricks draufhaben. Es werden ca. 19 Schafarten vorgestellt, die auf der Bühne ihre gewisse Positionen auf einem "Dreieck" haben. Damit sie auch da bleiben, wo sie sein sollen, werden sie angekettet, und ein kleines Becherchen auf Maulhöhe wird mit Leckerlies gefüllt. Schafe sind aber nicht dumm. Naja, zumindest sind einige nicht dumm. Diese stiebitzten nämlich immer schön beim Nachbarn aus dem Becherchen. Die obere Reihe an Schafen stellten die Wollschafe dar, mit dem (Super-) Merino an der Spitze - die untere Reihe die Fleischschafe bzw. ein Milchschaf - unser Ostfriesen-Schaf! Von denen gibt es aber anscheinend nicht so viele hier, was den extrem hohen Schafsfeta-Preis erklärt. Als der Moderator bei einem Schaf anhielt und erzählte, das dessen Fleisch am leckersten sei, hielt er dem Schaf die Lauschlappen zu. Ist das nicht süß??? Die beeindruckende Geschicklichkeit der abgerichteten Hirtenhunde wurde auch vorgeführt. Kühe kamen bei der Schaf-Show aber auch vor. Man hatte sogar die Möglichkeit, die Kuh eigenhändig zu melken. Mein persönlicher Lieblingspart war der mit den Lämmern. Einige Zuschauer hatten die Möglichkeit, die kleinen Lämmer mit der Flasche zu füttern!!! Ich war leider nicht darunter, aber ich hatte diese ja ausführlich vor der Show streicheln können. Sie waren für jeden zugänglich in einem Seitenbereich der Halle. Ich war neugierig genug, überall mal reinzuschauen. Ihr könnt euch ja gar nicht vorstellen, was für Luftsprünge mein Herz machte. (Einige können sich das schon vorstellen ;)) Ich hatte sie geknufft, gestreichelt, und am liebsten alle mitgenommen. Und nicht zum Verzehr, denn das hätte ich nicht über Herz gebracht. Sie knabberten ständig an meiner Hose, weil sie ziemlich hungrig waren, damit sie bei der Show auch kräftig an den Fläschchen nuckelten, was sie auch taten. Am Ende der Show hatte man die Möglichkeit, die Schafe zu piesacken. Natürlich waren sie noch immer angebunden, sonst hätte sich wahrscheinlich keiner rangetraut. Vorbei an stinkenden Schafen und deren Hinterlassenschaften, fassten wir auch das Merinoschaf an. Es hat ein unsagbar dichtes und unter der Dreckkruste ein sehr weiches Fell. Wer möchte nicht im Winter damit herumlaufen? Der Winter ist noch in weiter Entfernung, sowie unser nächstes Ziel: die Coromandel-Halbinsel. Um genauer zu sein, war es ein kleines Örtchen namens Whitianga auf der Coromandel-Halbinsel.



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Es war eine schöne, aber auch elendig lange Fahrt durch einen Teil des Coromandel Forest Parks. Besonders der letzte Abschnitt war sehr kurvenreich und häufig sogar schon für ein Auto fast zu eng zu befahren. Und dann noch Gegenverkehr! Aber über die Fahrweise der Neuseeländer wird es noch einen gesonderten Blog-Text geben.
Nirgedwo im Land ist auf einem Gebiet die Landschaft so kontrastreich wie hier auf der Halbinsel. Auf der einen Seite bizarre Berge vulkanischen Ursprungs, von üppigem Busch überwuchert und auf der anderen Seite eine tief zerklüfftete Küste mit traumhaften Buchten und Sandstränden, die von Pohutukawa-Bäumen gesäumt sind. Um die Weihnachtszeit entfalten sie ihre Blütenpracht. Daher werden sie von den Neuseeländern auch Christmas-Tree (Weihnachtsbaum) genannt.
Spät am Abend und arg ausgelaugt kamen wir dann schließlich in der Jugendherberge an. Händewaschen und Zähneputzen waren hier eine Herausforderung: das Waschbecken war winzig, ja fast "mikroskopisch" klein, so dass man beim Ausspucken des Zahnpasta-Schaumes regelrecht Angst hatte, daneben zu spucken. Wir stellen uns eben gerne solchen Herausvorderungen. Wenigstens die Dusche war Standardgröße. Frisch geduscht gingen wir dann auch bald zu Bett. Unser Zimmer befand sich, sowie alle anderen in der Etage auch, gleich am Gemeinschaftsraum. Nur unseres hatte den Fernseher des Gemeinschaftsraumes gleich an der Wand. Es wurde recht lange von den anderen Fernsehen geschaut mit einer nicht zu überhörenden Lautstärke. Gelobt seien unsere Ohrstöpsel! Amen.

Freitag, 28. März 2008

29.12.07 Rotorua (es geht weiter)

Die Stadt liegt in einem weltweit einzigartigen, aktiven Thermalgebiet mit hoch aufschießenden Geysiren, unzähligen dampfausstoßenden Kratern und blubbernden, stinkenden Schlammlöchern. Über dieser Stadt liegt ständig ein Schwefelgeruch, der stark an faule Eier erinnert. "Sulphur City" (Schwefelstadt) wird Rotorua im allgemeinen auch genannt. Die Maori setzen aber eins noch drauf, denn die haben für das Stadtzentrum einen noch besseren Namen gefunden: "Whangapipiro", was soviel heißt wie "fürchterlich stinkender Platz". (Ein kleiner Hinweis zur Aussprache: "wh" wird ausgesprochen wie ein "f". Das "r" wird richtig gerollt, bis dem Buchstaben übel wird.) Rotorua gilt als Hochburg der Maori. Hier ist ihre Kultur lebendig geblieben, und sie wird bei Kriegstanzvorführungen, dem "haka", und traditionellem Essen, "hangi", eindrucksvoll in klingende Münze umgesetzt. Die Touristen kommen aber nicht nur hierher, damit ihnen das Geld aus der Tasche gezogen wird. Nein, denn neben den Thermalbädern locken kristallklare Seen und zahlreiche grüne Wälder auf dem vulkanischen Plateau sie scharenweise an. Die Seen um Rotorua gelten neben Lake Taupo als die besten Forellengründe in Neuseeland. Angler gibt es hier wie Sand am Meer.
So, nachdem wir am späten Nachmittag in Rotorua ankamen, fuhren wir zunächst zu unserer Unterkunft, der Jugendherberge. Die Rezeption sah vielversprechend aus, doch als wir unser Zimmer betraten, traf es mich wie einen Blitz: es war ein dunkles Loch mit einem Doppelbett (eine große Matratze) drin, was sehr zu wünschen übrig ließ. Setzte sich einer aufs Bett, musste der andere fürchten, aus dem Bett zu fallen, weil die Federung sehr "sprunghaft" war. Die Nacht versprach keine gute Nacht. Von dieser waren wir aber noch weit entfernt, da wir uns so eine Maori-Vorstellung mit Tanz und Essen gönnen wollten, also richtige Touris sein wollten. Wir entschieden uns für das "Mitai Maori Village" (www.mitai.co.nz). Zunächst waren wir beide einwenig geschockt, da alle Besucher, es waren wohl 200 bis 250 an der Zahl, in ein riesiges Zelt hineingefercht wurden, wo lange Tische auf uns warteten. Aber unsere Befürchtung lösten sich in Luft auf. Nach einer relativ langen Einführung über den Ablauf des Abends strömten wir hinaus, um unser Hangi anzugucken. Hierbei handelt es sich um ein Maori-Essen, das traditionell zubereitet wird. Dazu werden heiße Steine zusammen mit dem (mit einem Tuch abgedeckten) Essen (Fleisch, Gemüse) in ein Erdloch gelegt, abgedeckt, um es dann nach mehreren Stunden gar wieder hervorzuholen. Nach Aussage der Maori-Dame kann das Essen nicht zerkocht werden. Nachdem uns das Essen im Erdloch kurz präsentiert wurde, wurden wir auch schon in den Busch geführt, wo die Vorführung ihren Anfang nahm. Alle standen wir am kleinen Fluss, um der Ankunft der Krieger in ihrem "waka" (Kriegskanu) zuzusehen und zuzuhören. Männer im Baströckchen sitzen in ihrem Kanu und wollen den Neuankömmlingen mit ihren Gesängen und Gesten Angst einjagen. War richtig nett, und in dieser Umgebung konnte man es etwas erahnen, wir das vor 200 bis 300 Jahren auf die ersten weißen Siedler gewirkt haben musste. Die Paddel wurden dabei in einem bestimmten Rythmus gegen das Kanu geschlagen und ab und zu wurden den Gästen, sprich uns, die Zungen ausgestreckt und "furchteinflößende" Grimassen gezogen. Wir wurden vorher ausdrücklich darauf hingewiesen, nicht zu lächeln, geschweigedenn zu lachen, weil es einer Beleidigung des ganzen Maori-Stammes gleichkäme. Wir wollten ja schließlich nicht als Teil des "Hangis" enden ;)
Als die Krieger ihr Kanu verließen, wurden wir dann auch zu einem anderen großen Zelt geführt, dessen eine Seite offen war. Dort befand sich auch die Bühne, die sehr natürlich gehalten wurde. Damit meine ich, dass die Natur die Bühne war. Verwirrt? Ich auch! Uns wurden Tänze und Gesänge vorgeführt, deren Bedeutung uns auch humorvoll erklärt wurden. Wir erhielten einen recht guten Einblick in die Maori-Kultur (Geschichten, Legenden, Waffen, Kampf) und auf nackte, zum Teil echte Tätowierungen der Männerhaut. Das war schon sehr beeindruckend. Kann man wirklich jedem empfehlen!!! Kultur schön und gut, aber der Hunger war nicht aufzuhalten. Schließlich wurden wir dann endlich wieder in unser "Anfangszelt" hineingeführt, wo das Essen auf uns wartete. Das Buffet war brechend voll mit leckerem Essen. Huhn, Lahm, Gemüse, Salate, andere Beilagen sowie Saucen und Dessert waren im Überfluss vorhanden. Das Fressen konnte also beginnen. Diejenigen, die unser Essverhalten kennen, wissen, wieviel wir verdrücken können!!! Und es war wirklich eine Menge. Wir platzten förmlich aus allen Nähten. Aber es war doch sooooooooooo lecker.....
Vollgefressen und vollkommen bewegungsunfähig saßen wir noch eine gewisse Zeit auf unseren Plätzen, um in kleinen Gruppen in den Busch des Dorfes geführt zu werden, damit wir uns die Natur und Glühwürmchen angucken konnten. Da es schon ziemlich dunkel war, bekamen wir auch Taschenlampen. So lauschten wir also den Geschichten unserer Führerin zu und betrachteten Glühwürmchen und Aale im Wasser. Man merkte, dass der Familienbetrieb recht lange existierte, denn das Ganze war sehr gut durchorganisiert.
In der Jugendherberge angekommen, rollten wir uns ins Bett. Morgen sollte die Fahrt weitergehen, denn eine weitere Nacht in diesem Loch wollten wir nicht verbringen.

Dienstag, 25. März 2008

29.12. Taupo/Rotorua

Unser Frühstück an diesem Tag unterschied sich nicht erheblich von den anderen Tagen zuvor, aber der Ausblick war wunderschön. Hoch oben über Stadt an einem Aussichtspunkt ließ sich unser Frühstück besser hinunterwürgen. Ein kurzer Abstecher zu den Huka Falls und zu einem Honig-Laden, und schon ging die Fahrt gen Norden Richtung Rotorua. Die Sonne schien unermüdlich. Diesen Tag mussten wir irgendwie draußen verbringen und nicht nur in der Karre. Ein Ziel war auch schon schnell ausgesucht: das Waimangu Volcanic Valley (www.waimangu.com).
Laut Reiseführer eine einfache Tour, bei der es hauptsächlich berab geht - also genau das Richtige für diesen heißen Tag. Das Waimangu Volcanic Valley kann man wirklich jedem empfehlen. Es ist für jedes Alter und jede Kondition geeignet. Es war ein schöner Spaziergang in einer bizarren und manchmal stark übelriechenden Welt. Vorbei ging es an verschiedenen Kratern, dampfenden Gewässern und heißen Bächen mit klangvollen Namen wie: Smaragd Teich, Bratpfannensee, Echokrater, Inferno Krater See, Vogelnest Terasse, Mördermuschel Quelle usw. Diese Farbenpracht kann man sich gar nicht vorstellen. (Also brav unsere Bilder auf Flickr.com angucken, damit die Vorstellungskraft nicht allzu stark beansprucht wird.) Persönlich fand ich die Bezeichnung "Frying Pan Lake" (Bratpfannensee) ganz lustig. Überall zischte und brodelte es. Schon erschreckend, wenn man sich bewusst macht, dass man eigentlich auf einer tickenden Zeitbombe herumläuft. Die ganze Gegend ist sehr aktiv, was man hören, fühlen und riechen konnte. Davon wollten wir uns natürlich auch richtig überzeugen. Und wie macht man das? Finger in einen heißen Bach halten. Es war wirklich heiß. Um so beeindruckender ist es, dass zahlreiche Pflanzen hier noch wachsen - sogar am heißen Bach! Aber die Pflanzen, deren Blätter ins Wasser hineinragen, haben auch schon Verbrennungen davon getragen. Ja ja, das Leben ist schon wundersam und sehr anpassungsfähig. Von diesen kleinen Wundern wurden auch zahlreiche Bilder geschossen. Naja, der Lange hat reichlich Bilder geknipst. Meine Batterien waren leider leergeluscht :( So hatte ich zumindest genug Zeit gehabt, mir alles genau anzugucken, und die Dinge zu finden, die in unserem deutschen "Reiseführer" und "Führer für Entdecker" beschrieben wurden. Aber das war soviel Lesematerial, dass man das Lesen irgendwann aufgab. Man sah ja sonst nichts von der Gegend!!! Nach dieser Lauferei gönnten wir uns auch noch eine Bootsfahrt auf dem Rotomahanasee. Diese muss man auch gemacht haben. So konnte man auch die Landschaft zu Wasser richtig auf sich einwirken lassen. Auch Vogelfreunde kommen hier auf ihre Kosten. Dieser See und das Tal sind Teile eines Natur- und Tierschutzgebietes, was zahlreichen Vogelarten ein Zuhause bietet.
Bis zum Jahre 1886 gab es hier die weltberühmten Weißen und Rosa Terassen, ähnlich denen in Pamukkale, Türkei, in denen man heiß baden konnte. Leider wurden die neuseeländischen Terassen in den frühen Stunden des 10. Juni 1886 durch einen gewaltigen Vulkanausbruch vollkommen zerstört. Der Ausbruch, mit einer Länge von 16 km und einer Ausdehnung von 1 km, bedeckte insgesamt eine Fläche von 15000qkm. Nachdem wir auf dem Wasser von "Wenigem" viel gesehen hatten, fuhren wir mit dem Bus zum Ausgangspunkt unserer "Tal-Tour" zurück. Nichtsdestotrotz ist die Bootstour sehr zu empfehlen, da man sich beim Anblick einer bezaubernden Landschaft wunderbar entspannen konnte. Am späten Nachmittag kamen wir dann schließlich in Rotorua an.


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Mittwoch, 19. März 2008

28.12.07 Taupo

Taupo liegt etwa 84 km südlich von Rotorua und war früher mal ein verschlafenes Städtchen an einem großen, fischreichen See. Heute ist Taupo ein stetig wachsender und sehr beliebter Ferienort. Neuseelands größter See, Lake Taupo, lockt jährlich unzählige Besucher an, unter anderem auch uns.
Der See ist mit ca. 616 qkm etwas größer als der Staat Singapur und liegt in einem riesigen vulkanischen Einbruchsbecken: 40 km lang, fast 20 km breit und weit über 100 m tief. Vor ungefähr 300000 Jahren brach der Taupo-Vulkan das erste Mal aus, dann wieder 181 v. Chr. Das war wohl einer der größten Vulkanausbrüche der Welt. Asche dieser Eruption soll sogar in Europa und China die Sonne verdunkelt haben. Danach stürzte der Krater in sich zusammen, und siehe da, da war der Taupo See, der heute von 40 Flüssen und Bächen gespeist wird. Kein Wunder also, dass dieser See mit seinen riesigen Regenbogenforellen eines der bekanntesten Angelreviere und eine regelrechte Pilgerstätte für Forellenangler aus aller Welt ist. Im Jahre 1884 gab es anscheinend keine strengen Quanrantänevorschriften, denn dann wurden die ersten Regenbogenforelleneier ins Land gebracht. Heute werden jeden Tag tonnenweise Forellen aus dem Lake Taupo und den umliegenden Bächen und Flüssen gefischt. Es gibt aber eine Einschränkung: Fischen ja, aber nur zum persönlichen Verzehr, denn der Handel in Neuseeland ist verboten; man kann sie auch nicht kaufen. Möchte man eine Regenbogenforelle im Restaurant verspeisen, muss man diese vorher selber wohl fischen. Angelscheine kann man hier ohne Probleme fast überall erhalten.
Die Taupo-Region entwickelte sich aber landwirtschaftlich gesehen sehr schleppend. Kühe und Schafe konnten in dieser Gegend nicht überleben. Den Grund dafür fand man erst im Jahre 1930: der Boden enthielt zu wenig Kobolde, ähhhm, ich meine natürlich Kobalt. Also, hier ein wenig Kobalt und da ein bisschen Kobalt, und schon kann man sich heute diese Gegend ohne Kühe und Schafe gar nicht mehr vorstellen.
Tja, außer dem herrlichen See mit seinem ebenso herrlichen Panorama hat der Ort selbst nicht viel Sehenswertes zu bieten. Was macht man in so einer Situation? Ab zum See, der einzigen Attraktion dieser Stadt. Nicht nur Fischer haben etwas davon, auch Wassersportler kommen hier auf ihre Kosten: Wasserski, Kayak oder einfach durch die Gegend schippern. All das kann man machen. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob man das hier auch Wassersportart nennen kann:
Bild: Golfbälle im See versenken

Wir entschieden uns für eine Kayaktour zum "Wandgemälde", das man nur vom Wasser aus sehen kann. Unser Tourguide musste seine Schäfchen, sechs an der Zahl, erstmal einsammeln, um zum See zu fahren. Nachdem wir eine kurze Einführung zum Kayaking bekamen und unsere Wasserröckchen (siehe Flickr) angezogen hatten, konnte die Fahrt auch schon losgehen. Der Lange und ich wurden aber gewarnt: unser Kayak soll angeblich das "Scheidungsboot" sein. Naja, mal sehen, wie gut unsere Ehe ist. Zunächst aber paddelten wir an steilen Klippen und Mini-Buchten vorbei. Antrieb gaben die Paddel; das Lenken erfolgte über Fußpedale des Hintermannes. In unserem Fall musste man von Hinterfrau reden, denn die Kurze war am Steuer. Mal schauen, wohin die Reise hingeht. Das Wasser war noch sehr ruhig, und die Temperatur war sehr angenehm. Von einer Bucht zur nächsten wurde das Wasser aber störrischer, und man wurde hier und da etwas nass. Oder war es doch der Schweiß??? Nach langer Paddelei kamen wir schließlich beim "Wandgemälde" an. Eigentlich handelt es sich um überdimensionale in die Felswand gehauene Reliefdarstellungen. Es ist aber nicht alt, sondern wurde in den 80er Jahren von zwei Künstlern in langjähriger Arbeit fertiggestellt. Soweit ich mich noch erinnere stellt es einen Maori-Gott dar, der die Reisenden zu Wasser beschützt. Lange verweilten wir an dieser Stelle aber nicht - das Wasser war einfach zu unruhig und einige waren kurz vorm Kentern. Ein super verwackeltes Bild konnte ich dennoch schießen. Trotz des tosenden Wassers blieb die Kamera trocken. Schwein gehabt!!!
In der nächsten oder übernächsten Bucht machten wir ein Päuschen mit allem drum und dran: Klapptisch und -stühle, Kocher, Becher, Teller undsoweiter undsofort. Ist schon erstaunlich, was alles so in Kayaks hineinpasst. Unser Kayak-Guide hatte alles dabei gehabt, sogar verschiedene Teesorten. Als er aber von einem Teebaum erzählte, dessen Tee sogar noch viel besser als grüner Tee schmecken soll, wurden wir alle sehr neugierig auf diesen Tee. Plötzlich wollte keiner mehr einen der Standardtees haben. Jeder wollte diesen Teebaum-Tee probieren. Gesagt, getan. Er drehte sich auf seinem Klappstuhl um, und fing an, die jungen Austriebe des Busches auszurupfen, der sich zufälligerweise hinter ihm befand. Um genauer zu sein, handelt es sich nicht um Teebaum-Tee, sondern Teebusch-Tee in unserem Fall. Nach kurzer Ziehzeit (wie beim grünen Tee auch), schlürften wir alle unser heißes Gebräu. Ich muss sagen, dass er wirklich gut schmeckte. Den Namen dieser Pflanze muss man sich merken: Manuka. Nach einem kräftigenden Snack (Sandwich, Tee, Süßkram) nahmen wir dann schließlich die letzte Etappe in Angriff. An unserem Ausgangspunkt angekommen, beluden wir den Anhänger mit den Kayaks und fuhren wieder in die Stadt hinein, wo sich unsere Wege teilten. Der Lange und ich blieben auf einem gemeinsamen Weg, also nichts mit "Scheidungsboot".
Der Tag war noch relativ jung, und so entschlossen wir uns zu den "Huka Falls" (Huka Wasserfälle) zu fahren. Diese befinden sich ca. 1,5 km nördlich von Taupo im Waikato Fluss, dem längsten Fluss Neuseelands (425 km), der vom Lake Taupo gespeist wird. Anfangs mit einer Breite von ca. 100 m wird der Waikato Fluss durch vulkanisches Gestein auf eine Breite von 15 m gequetscht, um dann in eine Tiefe von 11 m zu stürzen. Bei so einem Massenselbstmord der Wassermoleküle bleibt der ohrenbetäubende Lärm und viel Schaum nicht aus. Huka bedeutet bei den Maori übrigens Schaum. Da macht der Name Huka Falls jetzt viel mehr Sinn. Pro Sekunde können 220000 Liter Wasser hinuntertosen. Die Betonung liegt auf "können". Da die Huka Falls zur Stromgewinnung genutzt werden, wird die Menge an Wasser reguliert, je nachdem, wieviel Strom benötigt wird (im Winter kann das schon eine Menge sein). Abends, als wir da waren, gab es nicht die Menge an Touristen, was eigentlich sehr schön und angenehm war. Fast alle Aussichtspunkte gehörten uns. Möchte man den Huka Falls aber noch näher kommen, also nassmäßig nah, dann muss man in den Huka-Jet einsteigen (http://www.hukafallsjet.com/page/5-Home). Schwimmen ist nicht zu empfehlen. Aber dennoch hatten die Huka Falls unsere volle Aufmerksamkeit. Eine andere Art der Aufmerksamkeit zogen die Wasserfälle auf sich im Jahre 1989. Damals wurde ein Cricket Schiri mit gefesselten Händen und Füßen tot in den Gewässern der Huka Falls gefunden. Cricket scheint doch ein gefährliches Spiel zu sein.
So sieht das ganze Naturschauspiel von oben aus:

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Als uns dann so langsam der Hunger überfiel, fuhren wir zum nächsten Supermarkt, kauften Brot, Käse usw. ein und fuhren zu einem Aussichtspunkt, wo wir über ganz Taupo einen wunderschönen Ausblick bei Sonnenuntergang hatten. Wir entschieden uns, am nächsten Tag nochmals zu den Huka Falls zu fahren, um diese noch bei richtigem Sonnenschein zu sehen, bevor wir nach Rotorua fahren wollten.

Freitag, 22. Februar 2008

27.12.07

Der heutige Tag ging für uns sehr früh los, schließlich hatten wir eine sehr lange Fahrt vor uns. Das heutige Ziel war Taupo mit einem Zwischenstopp in Waitomo bzw. Waitomo Caves (Waitomo Höhlen). Um genauer zu sein, müsste ich sagen, dass wir "eine" Höhle in Waitomo besuchen wollten und nicht "die" Höhle, denn von denen gibt es hier drei oder so.
Heute schien die Sonne, und der Taranaki ließ alle Hüllen fallen. Der Anblick war faszinierend. Drumherum alles flach und dann dieser Riese - wirkte irgendwie deplaziert.


Nach einem neuseeländischen Frühstück (Muffin und Kaffee) ging die Fahrt auch schon los; zunächst an der Küste entlang Richtung Norden, um dann auf der State Highway 3 (SH3) ins Landesinnere zu fahren.

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Waitiomo ist sogesehen keine Ortschaft, sondern nur eine Ansammlung von Hotels, Pubs und ein paar touristischen Einrichtungen. Es gibt mehrere Höhlen, und jede hat ihre eigenen Besonderheiten. Die Höhle, die wir besuchen würden, gehört einem Privatmenschen. Natürlich wollten wir nicht einfach so in die Höhle gehen, um uns dort zu verirren, nein, wir hatten eine Black Water Rafting Tour gebucht. In deren Broschüre wird damit geworben, dass die Gruppengröße nur sechs Leute beträgt, und dass die Höhle naturbelassen ist. Deren Programm beinhaltete ua.: Abseilen an der Wand hinunter zur Höhle (27 Meter tief), Glühwürmchen beobachten, Black Water Rafting, Höhlenwanderung und Wand wieder hochklettern zum Ausgangspunkt.
Nach einer langen Fahrt mit wenig Pausen kamen wir in Waitomo so um ca. 12.20 Uhr an. Die Tour sollte um 13 Uhr starten. Wir freuten uns schon richtig darauf.
Man kann die Höhlen auf zwei Arten besichtigen: entweder eine "langweilige" Bootsfahrt oder die Black Water Rafting. Hierbei handelt es sich um die actionreichere Variante. Hierzu presst man sich in einen Neoprenanzug mit Gummistiefeln und bekommt noch eine Stirnlampe an den Helm gepappt. Und so saßen wir zunächst in voller Montur im heißen Tourbus zur Höhle. Nach einer kurzen Einführung in die Abseil-Technik und einer kleinen Übungseinheit ging es dann auch schon zur Höhle, vorbei an vielen Schafen, die schwarze Neoprenleutchen in einer dürren Landschaft anstarrten. Schon irgendwie komisch. Ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass hier irgendwo eine Höhle sein sollte. Zum Glück dauerte der Fußmarsch auch nicht allzu lang. Mit den zig Karabinern am Körper kam man sich ziemlich cool vor und 27 m Tiefe sind schon eine ganze Menge. Der Spaß war aber riesengroß. Nachdem alle unten heil angekommen waren, schnappten wir uns jeweils einen riesigen Autoschlauch. Dieser sollte unser Transportmittel auf dem tiefen Wasser sein. Wir folgten einem Bachlauf direkt ins innere der Erde. Jules Verne ließ Grüßen ;)

Das Ganze war schon ein tolles Erlebnis: die feuchten Wände schimmerten gespenstisch im fahlen Licht der Stirnlampen, und es war so still, bis auf unsere splitsch-platsch Geräusche natürlich. Mal wateten wir durch das Wasser, das uns bis zum Hals reichte (beim Langen wohl bis zur Hüfte) und mal ließen wir uns auf unseren Autoschläuchen dahintreiben. Echt klasse. Ein besonderes Highlight waren die Glühwürmchen.
Die neuseeländischen Glühwürmchen sind eine eigenartige Spezies, die außerhalb des Landes kaum anzutreffen ist. Klar, sonst würden sie ja nicht neuseeländische Glühwürmchen heißen. So, Spaß beiseite. Nirgendwo auf der Welt wird man so viele schimmernde Lebewesen an einem Ort sehen. Mit ihrer Leuchtkraft locken sie ihre Nahrung an, im Gegensatz zu den europäischen Glühwürmchen, die damit ihre Artgenossen anzuziehen versuchen. Die leuchtenden Winzlinge sind eigentlich Maden (mit der ca 2 qmm großen Leuchtfläche am Schwanzende), die ca. ein Jahr lang an den Höhlenwänden leben und glühen, bevor sie "verglühen" und zu einem mückenähnlichen Wesen herangereift sind. Ohne jegliche Organe zur Nahrungsaufnahme, ist diesen "Mücken" aber nur ein kurzes Leben beschieden, wenn sie nicht schon vorher von ihren eigenen, fresssüchtigen Artgenossen verspeist worden sind. Denn das Glühen lockt sie an, wie andere Kleinstlebewesen auch, und sie verfangen sich in den feinen Fäden, die sie selbst gesponnen haben.
Diese Lebenswesen sind schon sehr beeindruckend und erst recht, wenn sie zu abertausenden eine dunkle Höhle so ausleuchten können, dass man sogar die Silouette der eigenen Hand sehen konnte. An einigen Stellen der Höhle konnte man sich in seinen Autoschlau setzen und sich dahingleiten lassen und den "Sternenhimmel" über einen betrachten. Herrlich!!! Wir selber konnten keine Fotos machen, weil wir kein wasserdichtes Gehäuse für die Kamera besitzen, aber unser Tourguide knipste dafür ordentlich. Diese konnte man natürlich am Ende der Tour käuflich erwerben. Halsabschneider gibt es auch hier Downunder! Der Lange und ich erwarteten eigentlich mehr Action, aber die Tour war trotzdem gut so, und vor allen Dingen sehr beeindruckend. Klitschnass kletterten wir die "Abstiegswand" wieder hoch und sahen somit wieder Sonnenlicht und Schafe. Kurz abgeduscht und wieder in trockenen Klamotten fuhren wir zum Ausgangspunkt dieser Tour zurück, wo wir alle eine kleine Tasse heiße Suppe bekamen, während wir auf die Foto CD warteten. Einige dieser Fotos könnt ihr bei Flickr sehen. Diese Tour lohnt sich allemal!!!
Es war inzwischen nach 18 Uhr, und die Fahrt nach Taupo stand noch bevor.
Nichts Böses ahnend fuhren wir auf der SH30 Richtung Taupo. Doch plötzlich meldete sich unser Tank. Der hatte Hunger und wollte gefüttert werden. Man sollte doch meinen, dass es in einem so großen Land zahlreiche Tankstellen geben sollte. Tja, Pustekuchen. Dank unseres Navigationsgerätes, den ich ab jetzt mal Navman nenne, fanden wir eine Tankstelle, die auf unserer Route lag. Das Problem war nur, dass diese schon geschlossen hatte. Auch wenn man ein Hybridauto besitzt, Wunder kann man nicht erwarten und bis Taupo hätten wir es garantiert nicht geschafft. So standen wir nun an der geschlossenen Tanke im Nirgendwo. Wir sind zwar Mitglied beim neuseeländischen ADAC, hier AA, aber wegen eines leeren Tankes wären die auch nicht kostenlos gekommen. Tja, was nun? Eine Horde Jugendlicher fuhr mit Fahrrädern an uns vorbei. Uns blieb nichts anderes über, als diese nach der nächsten Tanke zu fragen. Sie wollten uns nach Tokoroa (nördlich von Taupo an der SH1) schicken, was für meinen Geschmack recht weit weg war.

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Ich versuchte nun so sparsam wie möglich zu fahren. Im Klartext hieß das mit 70 km/h durch die Gegend zu tuckern, mit der ständigen Befürchtung, dass man den nächsten Hügel nicht mehr schafft, wovon es ziemlich viele gab. Hochkonzentriert und schweigsam fuhren wir nun nach Tokoroa. Die Sonne war schon am Untergehen, und ich sah uns, die Nacht im Wald verbringend. Uns plumpste ein rieser Brocken vom Herzen, als wir in Tokoroa an der geöffneten Tanke ankamen. Jetzt muss ich auch unseren Wagen loben, der wirklich sparsam fahren kann. Zwar nimmt er es einem Übel, wenn man ihn nicht abschließt, aber die Geschichte kennt ihr ja. Wir sind tatsächlich über 70 km auf Reserve gefahren, und das über Hügel und durch Täler. Tja, eigentlich war bisher Tanken kein Problem gewesen, aber die, die auf dem Lande sind, schließen nun auch schon um 18 Uhr oder eher. Ab jetzt wird das dick hinter die Ohren geschrieben! Unsere Mägen waren inzwischen auch auf Reserve, aber wieder einmal hatte kein Restaurant geöffnet. Das war zum Mäusemelken. Halb ausgehungert und sehr spät am Abend kamen wir in Taupo an. Zunächst waren wir auf Restaurantsuche, aber auch hier fanden wir auf die Schnelle erstmal nichts. So entschlossen wir uns, unsere Sachen zur Jugendherberge zu fahren. Kaum alles abgeworfen, machten wir uns auf Futtersuche. Und tatsächlich fanden wir ein Restaurant im Mexiko-Stil. Drinnen fanden wir einen Böden vor, der vor lauter Erdnussschalen nicht zu sehen war. Man warf den Erdnussmüll einfach auf den Boden. Ab und dann wurde von den Kellnern auch mal durchgefegt, oder wie der Lange als kleines Kind zu sagen pflegte: "Es wurde auch mal gebest". Wir stürzten uns also auf die Erdnüsse, die kostenlos angeboten wurden. Das Essen ließ auf sich warten, aber durch die Erdnüsse hatten wir schon einmal eine gute Grundlage. Vollgefressen fuhren wir wieder zur Jugendherberge zurück, wo wir zwei Nächte verbringen wollten. Am nächsten Tag konnten wir uns also Taupo in Ruhe anschauen.

25. und 26.12.07

Nachdem wir den verregneten 25. in Wellington in unseren vier Wänden verbrachten, machten wir uns am 26.12. ausgeschlafen und frisch gewaschen auf den Weg nach Norden - wieder. Die Fortsetzung unseres Urlaubes sollte in dem kleinen Örtchen Hawera, im Taranaki National Park, stattfinden. Herzstück dieses Parks ist der Vulkan Taranaki oder auch Mt. Egmont, wie die weißen Neuseeländer ihn nennen. Er ist 2518m hoch und wirkt wie ein schlafender Riese am äußersten Westzipfel der Nordinsel.

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Nach einer Legende der Maori soll Taranaki zusammen mit anderen Bergen im Zentrum der Nordinsel gelebt haben. Als er aber mit der Frau des Tongariro (den kennt ihr ja jetzt auch) ein Verhältnis begann, wurde er aus dem Kreis der Bergriesen verbannt. Vom Inneren der Insel wanderte er nach Westen. Auf seinem Weg hinterließ er tiefe Spuren, unter anderem Whanganui River (siehe 7. bis 9.2.08), bis er schließlich an seiner heutigen Position zur Ruhe kam. A propos Ruhe - seinen letzten Ausbruch hatte er 1636. Seinen "weißen" Namen verdankt er dem Earl of Egmont, dem ersten Lord der Admiralität. Beinahe hätte er auch noch einen dritten, französischen Namen erhalten, welcher sich aber nicht durchsetzen konnte. Der "Fudschijama Neuseelands", wie in viele auch noch nennen, ist das Wahrzeichen eines fast 340 qkm großen National Parks, der sich in einem Radius von etwa 10 km um den Gipfel erstreckt. Dieser Berg ist nämlich der zweitperfekteste Kegelvulkan nach dem Fudschijama. Er hat nur eine kleine Beule an der Seite, aber da muß man schon genau hinschauen.
Nach einer langen Fahrt, dieses Mal an der Westküste entlang, kamen wir am späten Nachmittag im kleinen Örtchen Hawera an. In Wellington schien die Sonne; hier mussten wir uns mit dicken Wolken und leichtem Nieselregen abfinden. Die Spitze des Taranaki konnte man nicht sehen. Naja, was soll's. Zunächst brachten wir unsere Habseligkeiten in unsere Unterkunft - Wheatly Downs Farmstay. Ja, Farmstay, wo es auch Tiere gibt ;) Empfangen wurden wir von einem niedlichen, aber strengriechenden Hund. Sonst war niemand da. Der Hund wurde ausgiebig gestreichelt. Der bettelte förmlich danach. Anscheinend wird er wohl nicht so häufig gestreichelt. Nachdem ich meine Hände danach beschnupperte, war mir auch klar, warum. Ich roch jetzt auch nach Landhund. Tja, was erwartet man denn schon! Wir ließen uns selbst in unser Zimmer hinein und wuschen uns kräftig die Hände. Jetzt war es aber erstmal an der Zeit, etwas Essen zu gehen. Der Hund wurde nicht mehr angefasst, auch wenn er uns noch so lieb anschaute. So fuhren also durch die Gegend und konsultierten unser Navigationsgerät ausgiebig auf Restaurants. Aber irgendwie scheint ein Fluch auf unseren leeren Mägen zu liegen. Es hatte kein Restaurant geöffnet. Mal wieder!!! So fuhren wir von einer verschlossen Tür zur nächsten und immer wieder am KFC vorbei. Die hatten immer auf. Wir weigerten uns aber vehemment dagegen. Der letzte KFC-Fraß war uns noch sehr gut in Erinnerung, und zwar nicht in aller bester. Halbverhungert ergaben wir uns aber doch, und gaben KFC eine zweite Chance. Wieder einmal tief enttäuscht, wollten wir noch einen Verdauungsspaziergang machen, was auch wirklich nötig war nach dieser fettigen Pampe. Das Ziel war auch klar: ab zum Taranaki!!!
Um den Berg ist es sehr flach, so dass der schneebedeckte Taranaki immer sehr gut zu sehen war. Hier und da ein paar Mal abbiegen, und schon waren wir in einer Allee, die uns direkt zum Taranaki führte. Ich muss sagen, dass dieser Teil der Fahrt sehr beeindruckend war. Man tauchte förmlich in eine Traumlandschaft ein. Rechts und links hohe Bäume, deren Kronen sich meterhoch über der Straße trafen und einem den Blick zum Himmel versperrten. Diese Fahrt muss man gemacht haben, und zwar war es die Straße, die zu den Dawson Falls (Dawson Wasserfällen) führte.

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Der Wagen wurde kurzerhand am Miniparkplatz abgestellt. Ausgesucht hatten wir uns den Kapuni Weg - ein einfacher Weg von einer Stunde Gehzeit. Dieser führte über einen Lavastrom zum Wasserfall. Vom Lavastrom hatte ich nicht viel gemerkt, wohl aber den matschigen Boden. Gerade an diesem Tag hatte ich nun keine Wanderschuhe an, sondern Sandalen. Dann fing es auch noch an zu regnen, somit wurde ich von unten und oben leicht nass. Aber der Rundweg lohnte sich allemal. Dicht bewachsenes Grün und frische, klare Luft. Tief durchatmen und genießen .... und nebenbei noch Fotos knipsen. Nachdem wir für Körper und Seele für Erholung gesorgt hatten, fuhren wir wieder zu unserer Unterkunft. Die Farm lag etwas außerhalb von Hawera. Und wenn man schon auf einer Farm ist, muss man sich auch die Tiere angucken. Ich hatte bißchen mehr erwatet als nur paar Schafe und Kühe (vielleicht hatten sich die anderen nur vor mir versteckt?), aber die Schweine und die kleinen Ferkel machten alles wett. Der Lange und ich befanden uns inmitten von superdreckigen Schweinen und den niedlichen Ferkeln. Ehe wir uns versahen, waren wir auch schon umzingelt. Am liebsten hätte ich die kleinen Ferkel geknuddelt, aber wer weiß, was deren Mamas mit mir dann gemacht hätten. Wohlmöglich einen großen Apfel in Mund und ab auf den Spieß ;)
Es wurde auch schon ziemlich schnell dunkel, und der Taranaki war immer noch wolkenbehangen. Wir hofften auf bessere Sicht am nächsten Morgen.

Sonntag, 10. Februar 2008

24.12.07

In der Nacht hatte es geregnet. Dank der Ohrstöpsel hatten wir eine ruhige Nacht mit unserem Schnarcher. Die anderen, die in den benachbarten Zimmern schliefen, hatten anscheinend nicht so gut schlafen können. Der Schnarcher war wohl gut am Sägen gewesen.
Es war bewölkt, aber trocken. Um ca. 8:35 Uhr machten wir uns auf den Weg. Heute gab es keine schwierigen Etappen zu meistern - alles war sehr flach. Das war eine ideale Fläche für den Wind, der ständig zunahm. Jacken mussten also angezogen werden. Es gab wahrlich nichts Besonderes zu sehen; nur öde, ebene Flächen, Schotter und ausgetrocknete Flussbetten. Meine Gedanken drehten sich ständig darum, am Heilig Abend nicht bei der Familie sein zu können. Der Heimweh nagte kräftig an mir, und ich kämpfte ständig gegen die Tränen. Der Wind trocknete diese aber schnell weg. Meine Laune war auf dem Tiefstpunkt, was man den Fotos auch ansehen kann. Die Blase am Fuß war diesbezüglich auch nicht gerade hilfreich.
So um die Mittagszeit machten wir einen kleinen Abstecher zum Unteren Tama See (ca. 10 Minuten vom Hauptweg entfernt). Zum Oberen Tama See, der über einen steilen Weg erreichbar und ca. 1 Std. und 30 Min. entfernt war, konnten wir uns nicht überreden. Am Unteren Tama See aßen wir dann auch unseren Müsliriegel. Das war für mich immer eine Gratwanderung zwischen Energiezufuhr und Sich-Übergeben. Ich konnte diese Dinger nicht mehr sehen. Wenigstens der Blick über den See war eine Wonne, obwohl der Wind es ungemütlich machte. Fotos mussten aber dennoch geschossen werden ;)))
Bevor wir ganz auskühlten, machten wir uns wieder auf den Weg. Die graue Landschaft wurde hier und da durch einige grüne Farbtupfer geschmückt. Das Grünzeug kam immer näher. Yippie!!!
Der Hauptweg teilte sich nun. Wir entschieden uns für den Wasserfall. Der Weg dorthin führte über eine lange Treppe hinab durch Busch und Bäume, die wir schon sooooooo lange nicht mehr gesehen hatten. Vorbei am Wasserfall führte unser Weg in die Zivilisation am Wasser entlang durch einen Buchenwald. Vögel zwitscherten fröhlich vor sich hin, was wir sehr genossen.
Um kurz vor 16 Uhr kamen wir an unserem Startpunkt an - Whakapapa Village. Unser Weg führte uns zunächst in die DOC-Zentrale, wo wir etwas Geld zurück bekamen, da wir ja nicht fünf Tage, sondern nur 3 Tage unterwegs waren. Nach einem kleinen Abstecher zur Toilette und eine kurze Wanderung durch die Austellung des DOC (Department of Conservation) wollten wir uns noch einen Kaffee im Cafe gönnen, aber leider war dies schon geschlossen. Den Schweizer, den wir in der letzten Hütte kennengelernt hatten, trafen wir hier wieder. Der wartete vergeblich auf seinen Transport zur nächsten Stadt. Wir entschieden uns, ihn bis zur nächsten großen Kreuzung mitzunehmen. Da hatte er deutlich mehr Chancen auf Mitnahme. Nachdem wir unser Gepäck abholten, was sich bis jetzt in der National Park Jugendherberge befand, machten wir uns auf den Weg nach Wellington. Unterwegs wollten wir etwas essen. Ihr glaubt ja gar nicht, wie schwierig es abends hier mit Futtersuche sein kann. Die Restaurants hatten irgendwie alle zu. Am 24. lag das nicht. Die Neuseeländer feiern, wie die Amerikaner auch, Weihnachten am 25.12. Pubs und Bars hatten noch geöffnet, wo es nur Pommes usw. gab. Wir wollten aber etwas ordentliches zu essen haben. Unsere Entscheidung fiel auf Denny's in Wellington, von dem wir wussten, das dieser laut Anzeige 24 Stunden 7 Tage die Woche geöffnet haben soll. Mit knurrendem Mägen fuhren wir also nach Wellington. Sehr spät am Abend kamen wir an. Nur leider hatte auch Denny's geschlossen. Was für ein Weihnachten. Hungrig und müffelnd suchten wir verzweifelt ein Restaurant. In solchen Momenten wünscht man sich wirklich wieder nach Deutschland!!!
Schließlich fanden wir ein indisches Restaurant, wo wir hineinstürmten und fast alles bestellten, was sich auf der Karte befand. War natürlich viel zu viel, aber hier in NZ sind sogenannte Doggy Packs üblich (übrig gebliebenes Essen mitnehmen). Vollgestopft bis kurz vorm Platzen, überreichte mir der Lange unser Weihnachtsgeschenk von meinen Schwiegereltern. Der Lange wusste, was sich in der Karte befand - er war schließlich auch derjenige, der das Geschenk vor Ort besorgt hatte.
Es waren zwei Konzertkarten für "The Police" am 17.01.2008 in Wellington. Ein Grinsen machte sich in meinem Gesicht breit. Die Freude war riesig. Nochmals Danke meine Lieben!!!!!!!
Müde und vollgefressen machten wir uns auf den Heimweg, wo eine heiße Dusche sehnsüchtig auf uns wartete.

Montag, 4. Februar 2008

23.12.07

Für den heutigen Tag hatten wir uns vorgenommen, zur Ketetahi Hütte zu gehen und dort zwei Nächte zu bleiben. Wir wollten ja diese Wanderung schließlich genießen. Dieser Tag begrüßte uns mit schönem Wetter. Zum Frühstück gab es wieder Müsli. Am Frühstückstisch unterhielten wir uns mit den anderen Wandersleuten. Diese Nationen war vertreten: USA, Deutschland, Neuseeland und noch irgendein Land. Man unterhielt sich zum Beispiel über die heutige Wanderung. Dieser Streckenabschnitt (Mangatepopo Hütte zur Ketetahi Hütte) ist auch als der Tongariro Crossing bekannt, einer der besten Eintageswanderung Neuseelands. Uns wurde auch gesagt, dass man am heutigen Tag sehr viele Leute auf dem Weg sehen wird, die diese Eintagestour machen. Man sollte sich früh auf den Weg machen, wenn man dieser Menschenmenge entfliehen möchte. Wir stopften alles in die Rucksäcke und machten uns um 8:15 Uhr auf den Weg. Und tatsächlich, kaum waren wir auf dem Hauptwanderweg angekommen, sah man die menschliche Perlenkette. Diesemal hatte der Lange meine Kamerabauchtasche. Ihr könnt euch ja ausmalen, warum. Er hat einfach die längeren Beine!
Der Beginn dieses Wandertages war schön aber auch wieder schweißtreibend. Wir ließen viele passieren, da ich einfach nicht schneller laufen konnte. Der Weg führte bergauf durch das Mangatepopo Tal entlang an einem kleinen Bach. Damit man die Vegetation nicht zerstört, gibt es einen Holzweg auf Stelzen, den man nicht verlassen sollte. Überall wachsen Moose und Flechten, was die rot-grau-schwarze Landschaft zu Leben erweckte. Soweit, sogut. Die Stimmung war gut, und die Kamera knippste fröhlich vor sich hin.
Mir fiel aber fast die Kinnlade herunter als ich mit den Augen den Weg vor uns verfolgte. Er war steil, sehr steil. Am liebsten wäre ich zurückgegangen, aber mein Ehrgeiz verbat es mir. In einem Buch wird dieser Bereich mit kurz und steil beschrieben. Mir kam er endlos lang vor. Nicht immer alles glauben, was in Büchern steht!!! Ich machte häufige kurze Pausen und hatte das Gefühl gehabt, das ein Sauerstoffzelt jetzt genau das Richtige gewesen wäre. Der Lange hingegen bevorzugte längeres Gehen mit längerer Pause. Wir behielten uns aber stets im Auge, wenn die Schweißtropfen uns nicht gerade kurz erblindet hatten. Nach häufigem Zureden von "Du schaffst das, du schaffst das. Nicht aufgeben!", erreichten wir endlich den Sattel zwischen dem Ngauruhoe und Tongariro. Nach tiefen Luftzügen erblickten wir eine weite, trostlose Ebene, durch die es gut wehte. Irgendwie hatte diese Ebene auch etwas Faszinierendes. Keine Gedanken plagten einen. Wir genossen einfach diese öde Ebene! Rechts von uns lag der Ngauruhoe. In einem Buch steht, ich zittire: "Der steile, symmetrische Kegel mit seinen leichten Rauchschwaden hat eine magische Ausstrahlung, denn der Wunsch, hoch an den Kraterrand zu steigen, wird immer stärker". Mit einem hatte der Autor ja Recht; er hat eine magische Ausstrahlung, nur wurde bei mir in dem Moment der Wunsch nicht allzu riesig, da hoch zu laufen. Hätte man nichts anderes vorgehabt, so hätten wir diese Strecke ohne Rucksack auch noch auf uns genommen, aber wir spielten mit dem Gedanken unsere anfangs Fünftagestour auf drei Tage zu verkürzen, da der Wetterbericht nicht allzu gut war. Im Regen Wandern ist wahrlich keine große Freude!
Wir ließen diese trostlose Ebene auf uns einwirken und waren fleißig am Knipsen. Vergessen waren die Aufstiegsstrapazen. Durch den riesigen "South Crater" führt ein Weg auf den Kraterrand zu. Auch dieser Abschnitt war ziemlich steil, und das Luftschnappen ging wieder von vorne los. Obwohl man wie ein Schwein schwitzte, war der Wind sehr kalt, und wir zogen uns die Jacken über. Ich spielte auch mit dem Gedanken meine Flieshandschuhe anzuziehen. Das hatte ich mir dann doch noch verkniffen. Auf die Sucherei im Rucksack hatte ich keine Lust. Am Rande von "Red Crater" angekommen, sahen wir in ein riesiges, dampfendes, bunt schillerndes Loch. Es war wirklich atemberaubend. Hmmm, war es der Anblick dieses purpurroten und schwarzen Gesteins, der uns die Luft wegnahm, oder der Schwefelgeruch, der in der Luft lag??? Die Umgebung wirkte schon fast unwirklich mit den aus der Erde tretenden Dampfwolken. Ein Vorteil war es allerdings, dass ich meine kalten Fingerchen an der heißen Erde aufwärmen konnte. War echt super! Schon irgendwie gruselig, wenn man bedenkt, dass es unter einem brodelt und die Party jederzeit losgehen kann. Ein paar Schritte weiter sahen wir schon die nächste Attraktion: die "Emerald Lakes" und den "Blue Lake". Diese Seen liegen still, fast friedlich, unterhalb von "Red Crater" und sehen aus, als ob ein Künstler mit seinen Farben nicht gespart hätte; wie Farbtupfer in einer bizarrwirkenden Welt. Bei diesen Seen handelt es sich um Explosionskrater, die sich mit der Zeit mit mineralhaltigem Wasser aufgefüllt haben. Die Mineralien wurden aus dem Thermalbereich des "Red Crater" herausgewaschen.
Um an diese "Emerald Lakes" heranzukommen, mussten wir einen steilen Lavageröllabhang wie auf Schienen hinuntergleiten; eine sehr staubige Angelegenheit. Unten angekommen, hatten die Seen ihre Wirkung irgendwie verloren. Von oben betrachtet, sahen sie viel besser aus. Nichtsdestotrotz gönnten wir uns hier, wo es gut nach faulen Eiern riecht, eine Pause und aßen ein paar Müsliriegel. Dieser beißende Geruch nahm einem schon fast den Appetit. Nun saßen wir da, und sahen uns die Seen und gelbe Schwefelablagerungen auf den Abhängen von der Ferne an. Schon irgendwie eigenartig diese Gegend oder sollte ich unheimlich sagen? Kein Strauch, kein Baum, kein Vogel - nur Lavagestein, feiner Geröllschutt und Rauchschwaden, die sich den Weg in die Freiheit durch die Ritzen des Vulkans suchen. Ein toller Anblick und diese Stille, wenn nicht diese Menschenmenge da wäre. Die "Belagerung" hatte schon den Charakter eines Großfamilienpicnics. Es wurde gegessen, getrunken, geklönt und hier und da kleine Wehwehchen behandelt. Ein junger Mann, der von Gruppe zu Gruppe ging, als ob er etwas suchen würde, fand auch seinen Weg zu uns. Er war verzweifelt auf der Suche nach Kochgeschirr, um guten Mocca für sich und seine Freunde zu kochen. Wandersleute müssen sich doch helfen! Also kramte ich nach unserem Kochgeschirr im Rucksack. Überglücklich bat er uns als Dank Mocca an, den wir (leider) ausschlagen mussten. Bis zur nächsten Hütte war es noch ein gutes Stück, und auf Wildnistoilette hatte ich nun wirklich keine Lust gehabt. Unser Kochgeschirr immer fest im Blickfeld, genossen wir unsere Pause. Der junge Mann brachte nach einiger Zeit unser Geschirr wieder zurück und kamen dabei ins Gespräch. Das Thema ist immer dasselbe: "Woher kommt ihr? Welche Hütte ist euer nächster Stopp?" und so weiter und so fort. Als wir erwähnten, dass wir aus Deutschland kommen, änderte sich sein Gesichtsausdruck schlagartig. Er und seine Freunde stammen nämlich aus Israel. Wir unterhielten uns noch eine Weile über dieses und jenes. Ich frage mich immernoch, ob er unser Geschirr ausgeliehen hätte, wenn er vorher gewusst hätte, dass wir aus GER stammen.
Mit dem Wissen, dass wir die Ketethi Hütte überspringen würden, machten wir uns langsam auf den Weg zur Oturere Hütte, die ca. 4,4 km entfernt sein sollte. Es war sehr warm mit einer leichten Brise, die etwas Abkühlung schaffte. Die Jacken wurden wieder in die Rucksäcke gedrückt. Es ging ziemlich steil bergab in das Oturere Tal, von wo man das ganze Tal überblicken konnte. Von der Ferne sah alles aschgrau und trocken aus. Von Nahem betrachtet konnte man viel Leben entdecken in Form von vielen nicht allzu hohen Pflänzchen. Ach war das Gefühl schön, mal wieder bergab zu gehen!
Unser Weg führte uns durch eine Landschaft, die durch frühere Eruptionen des "Red Crater" geschaffen wurden - unendlich viele ungewöhnlich geformte Lavaablagerungen. Für uns Laien sah irgendwann alles gleich aus. Auch wenn der Vulkan Ngauruhoe immer noch der gleiche war, konnten wir unsere Augen einfach nicht von ihm lassen. Magisch zog er immer wieder unsere Blicke auf sich. Uns entgegen kam eine Familie mit drei kleinen Kindern, die zu den "Emerald Lakes" wollten. Die Frau sah sehr geschafft aus. Gegenseitig erkundigten wir uns, wie weit es denn noch zur nächsten Hütte bzw. zu den Seen ist. Die Hütte sollte nicht allzuweit weg sein, aber in den Stiefeln der Frau möchte ich nicht stecken. Da war noch hartes Stück Arbeit vor ihr. Gut gelaunt gingen wir weiter. In so einer menschenleeren Gegend (die meisten gingen ja zur Ketetahi Hütte) hatten wir genug Zeit gehabt, um über unseren weiteren Tagesablauf zu reden. So im nachhinein habe ich das Gefühl, dass uns die Anstrengungen des bisherigen Tages und die Hitze zu Kopf gestiegen waren. Wir hatten nämlich jetzt vorgehabt noch eine weitere Hütte zu überspringen. Entscheiden wollten wir uns aber, wenn wir die vor uns liegende Hütte erreicht hatten. So gegen 15 Uhr kamen wir da auch an. Nach einer kräftigenden Zwischenmahlzeit - ihr könnt ja raten, was es gab - entschieden wir uns weiterzugehen. Der Grund nochmal zur Erinnerung, war die schlechte Wetterprognose für den 25.12.. Meinen persönlichen Wetterfrosch(mann) habe ich ja immer bei mir ;))))) und Müsliriegel konnte ich nicht mehr sehen! Von der Oturere Hütte bis zur Waihohonu Hütte, wo wir definitiv übernachten würden, waren es ja nur noch 7,5 km. Dieser Streckenabschnitt war wahrlich nichts besonderes: trockene Flussbetten und offene Kieselsteinfelder begrüßten uns. Immer wieder schauten wir uns die Vulkane Ngauruhoe und Ruapehu an, die das Panorama erfüllten. Der Rest der Landschaft erinnerte uns eher an eine Mondlandschaft, trocken und öde bis auf einige kleine Büsche hier und da.
Unermüdlich wurde die Kamera gefoltert. A propos Folter: die Füße machten sich "langsam" bemerkbar. Ich hatte mit dem großen Onkel meines rechten Fußes zu kämpfen. Das Abrollen schmerzte etwas, aber immer noch genug um häufiger kleine Päuschen zu machen. Der Lange hingegen machte einen noch recht frischen Eindruck. Immer wenn ich ihn mit seiner Mütze betrachtete, und das konnte ich ja reichlich, weil ich hinter ihm ging, hatte ich eher das Gefühl, in der Wüste zu sein und nicht im grünen Neuseeland. So nach und nach änderte sich das Aussehen der Landschaft. In nicht allzu weiter Ferne konnte man Wälder erkennen. Bis zur Zivilisation war es aber noch ein weiter weg. Der Weg führte uns immer am Fuße des Ngauruhoe entlang. Diesen Part hatten wir beide sehr genossen und nur selten sahen wir andere Wanderer, die uns schnellen Schrittes überholten oder uns entgegenkamen.
Jetzt kam wieder ein Bereich, der mir sehr zusagte: bergabgehen. Mir war aber schon bange, weil ich anhand der Broschüre wusste, dass wir die Höhenmeter, die wir jetzt nach unten gingen, nach der Flussüberquerung wieder nach oben gehen mussten!!! Man kann sich die große Freude bei mir vorstellen. So pilgerten wir hinunter, vor Augen das dichte Grün, durch das wir wieder hochgehen mussten. Kaum hatten wir den Fluss über die Brücke passiert, ging es wieder steil bergauf. Die Suppe lief einem nur so herunter. Nach vielen kurzen Päuschen, Flucherein und gutes Zureden meines großen Onkels am rechten Fuß, merkte ich, dass mir das Wasser ausging. Der Lange vorweg hatte schon längst kein Wasser mehr. Erwähnt hatte er aber nichts. Hatte mich schon gewundert, dass er nicht mehr so häufig trank. Kurze Bemerkung zu unseren "Wassertanks" im Rucksack: am Anfang des Tages hatte jeder von uns drei Liter Wasser im Gepäck!!! Schnaubend, ächzend und schwitzend erreichten wir schließlich den Gipfel, wo wir uns erstmal erholen mussten. Und ich glaube, dass jeder für sich da saß und die Entscheidung, die letzte Hütte zu überspringen, bereute. Ich tat es zumindest.
Nun saßen wir hier, ohne Wasser und lauschten den Vögeln. Endlich wieder Vogelgezwitscher. Das klang so schön. Keine 50 m Luftlinie entfernt noch öde Mondlandschaft und jetzt Vogelgezwitscher im Birkenwald. Verrückt, aber wahr. Kaum normalisierte sich der Puls, ging es auch schon wieder weiter. Wir mussten die nächste Hütte erreichen. Die Umgebung war wirklich schön, nur hatte ich das Gefühl, dass keiner von uns diese zur Zeit genießen konnte. Mein Wassermangel löste bei mir schon Halluzinationen aus, so dass ich die Hütte hinter jedem Baum sah. Nein, nur Spaß!!! So schlimm war das mit dem Durst nicht. Wir wussten ja, dass es nicht mehr weit war. Gott bzw. Allah sei Dank kamen wir dann auch an. Ankunftszeit ca. 19 Uhr. Wir waren die letzten Ankömmlinge in der Hütte. In dem Zimmer, wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollten, war ein Bett von einem mächtigen Mann belegt, der bereits im Traumland war. Alle anderen warnten uns vor dem Superschnarcher. Ohrstöpsel sind heutzutage goldwert. Einige der "Mitbewohner" stammten aus der Schweiz und Österreich, so dass man sich deutsch unterhielt. Hmm, obwohl wir so lange unterwegs waren, hielten der Lange und ich uns wacker auf den Beinen.
Fazit des Tages:
Wanderbeginn 8.15 Uhr, zwei Hütten übersprungen, Ankunftszeit in der Waihohonu Hütte 19 Uhr.
Wir sind insgesamt 19,9 km in 10 Stunden und 45 Minuten (inkl. Pausen) gegangen und hatten dabei den halben Vulkan umlaufen. Eine Mütze voll Schlaf hatten wir uns somit redlich verdient.

Sonntag, 27. Januar 2008

22.12.07

Am nächsten Tag (22.12.) gab es zum Frühstück kräftigendes Müsli. Unsere Taschen und Koffer, die wir während der Wanderung natürlich nicht mitschleppen wollten, konnten wir ohne zusätzliche Gebühren in der Jugenherberge lassen. Mit dem Nötigsten fuhren wir zum Startpunkt unserer Wanderung: Whakapapa Village - das Lesen ist genauso schwierig wie das Schreiben :) Hier befindet sich das Information Centre, wo man die Tickets für die Hütten auf der Wanderroute käuflich erwerben konnte. Mit Hüttentickets und Karte bewaffnet ging das Abenteuer dann endlich los. Das Ziel war klar: die Mangatepopo Hütte, die ca. 8,5 km entfernt ist. Laut Karte soll man für diese Strecke drei Stunden benötigen, bei schlechtem Wetter sogar fünf Stunden. Warum gleich zwei Stunden mehr? Die Antwort darauf sollte noch kommen. Zunächst ging es durch einiger Maßen dichtes Gestrüpp und gut begehbare Wege. "Mt. Doom" war immer in Sichtweite. Es war bewölkt, aber trocken mit angenehmer Temperatur. So latschten wir also meist hintereinander mit all unserem Hab und Gut am Körper - der Lange mit seinem Tagesrucksack mit unseren Lebensmitteln für fünf Tage und seiner Kamera und ich mit dem großen Wanderrucksack mit den restlichen Dingen und der großen Kamerabauchtasche. Zum Glück hatten wir unsere Wanderstöcke dabei, die das Gehen mit schwerem Gepäck erträglicher machten. Am Anfang ging auch noch alles gut bis immer häufiger Bereiche mit relativ starken Höhen und Tiefen mit ziemlich großen Stufen kamen. Für den Langen waren das wohl lächerliche Stellen. Für mich mit den kurzen Beinen waren es manchmal unüberwindbare Hindernisse. Mit der großen Kamerabauchtasche und dem unausgewogenen Rucksack wurde das Bergaufgehen für mich nicht gerade zum Zuckerschlecken. Ab und zu bedurfte es einiger "Anschiebehilfe" von hinten. Wie peinlich!!! Hoffentlich hat das keiner gesehen. Erster Frust machte sich breit. Viele Stopps wurden auch nicht gemacht, da die Landschaft relativ langweilig aussah und Fotos sich nicht wirklich lohnten. Auch in der Broschüre, in der ich immer wieder wild herumblätterte, gab es nichts erwähnenswertes zu diesem Streckenabschnitt. Auf so etwas hätte ich echt verzichten können - nichts "Richtiges" zu sehen und nur schwieriges Vorwärtskommen. Toll! Immer wieder schaute ich auf meine Uhr, wann denn die drei Stunden, die man für diese Strecke brauchte, vorbei wären. Aber weder nach drei noch nach vier Stunden waren wir bei der Hütte angekommen. Laut Broschüre sollte die Hütte im Mangatepopo Tal liegen. Tat sie auch, nur hatte ich dieses Tal vor jeder Hügelbesteigung vermutet, die wir machten. Aber nach ca. 30 Minuten sahen wir tatsächlich ein Schild, das zur Hütte zeigte. Ihr könnt ja gar nicht glauben, was für ein schönes Gefühl das ist, bald die Füße ausqualmen zu lassen. Kaum an der Hütte angekommen, wurde der immer schwerer werdende Ballast abgeworfen und die Stiefel ausgezogen.
Die Hütten sind ganz spartanisch eingerichtet: Etagenbetten mit dünnen aber harten Matratzen, Gasherde und ein bis zwei Tischen mit Bänken. Fürs Zähneputzen und die morgentliche Katzenwäsche gab es draußen vor der Hütte große Wassertanks, und moderne Donnerbalken waren ca. 50 m von der Hütte entfernt.
Nachdem unsere Füße an der frischen Luft abgekühlt und wiederbelebt wurden, galt es nochmal die Rucksäcke zu tragen, und zwar hinein. Die Schlafsäcke wurden rechtzeitig ausgepackt, damit sie sich entfalten konnten. Gleich danach gab es leckeren Tütenfraß. Man mag es nicht glauben, aber wenn man Hunger hat, schmeckt einem alles! Nach dem Essen waren wir nicht gerade gesprächig mit unseren "Mitbewohnern" und machten uns auch schon bettfertig. Es ist sehr, sehr lange her, dass ich um ca. 19 Uhr im Bett war! Glücklicherweise hatten wir Ohrstöpsel dabei, weil die anderen sich lebhaft und noch lange unterhielten. Fazit: für 8,5 km, die laut Broschüre in drei Stunden (schlechtes Wetter fünf Stunden) machbar sein sollten, benötigten wir 4,5 Stunden! (Start 10:30 Uhr, Hütte 15:00 Uhr)
Was für ein jämmerlicher Fitnesszustand .....

Donnerstag, 17. Januar 2008

Tongariro National Park (21.12.07 bis 24.12.07)

21.12.:
Unser Urlaub sollte mit einer großen Wanderung anfangen, und zwar mit dem Tongariro Northern Circuit. Da wir beide nicht ganz so fit sind, wie Wanderer es normalerweise sein sollten, entschieden wir uns für eine fünftägige Tour, damit wir uns ausgiebig Zeit lassen konnten beim Fotografieren und Wandern. Nachdem also alles eingepackt war (Rucksäcke, Koffer, Taschen, Kamerataschen) holte ich, die Kurze, den Langen von der Arbeit ab. Der war bis oben hin mit Gegrilltem abgefüllt und platzte aus allen Nähten. Anscheinend wird bei der Arbeit jährlich zur großen Pause (Weihnachten und Neujahr) ein Abschiedsgrillen veranstaltet. Um ca. 15 Uhr holte ich also den Langen ab. Endlich ging die Fahrt gen Norden los. Unsere Unterkunft in der Jugendherberge war bereits gebucht, so dass wir uns mit ruhigem Gewissen Zeit lassen und die Gegend genießen konnten. Genießen konnte man viel. Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt begann sich die Gegend zu "transformieren". Aus den mit Häusern bebauten Hügeln wurden aufeinmal unbewohnte mit Schafen bevölkerte Hügel, die wie eine große Armee die Wiesen abgrasten. Weit und breit keine großen Zeichen von menschlicher Zivilisation zu sehen: nur Schafe, saftig grüne Hügel und Zäune. Man hatte schon fast das Gefühl gehabt, man befände sich in einer Märchenlandschaft. Sagenhaft schön!!!
Nach ca. 3 Stunden Fahrt erblickten wir den Vulkan Ruapehu, der uns die nächsten Tage "begleiten" sollte. Ein wahrhaftig mächtiger Riese, der, wie es schien, plötzlich in der Landschaft auftauchte - umzingelt von tausenden von Schafen. Unser Ziel, National Park - so heißt der Ort wirklich -, war nur noch eine halbe Stunde entfernt. Es juckte uns aber schon in den Fingern, und wir konnten nicht anders: wir stoppten an der Straße, um ein paar Bilder zu schießen. Dieser Anblick musste einfach eingefangen werden. Während der Lange mit Kamera und Stativ die Straße überquerte, lauschte ich den blökenden Schafen und Lämmern. Schön war das! Weniger schön war es, dass beim Stativ der Kopf fehlte, so dass dieser für den Rest der Reise nicht brauchbar war. Schade, aber Hauptsache ist, dass wir unsere eigenen Köpfe haben ;))))))
Um fast 20 Uhr kamen wir im National Park an - ein kleines "alpines" Dörfchen, das wohl im Winter aus allen Nähten platzen soll. Naja, schwierig ist das bei 500 Einwohnern ja nicht.
Ein wenig von der langen und kurvenreichen Fahrt ermüdet, schleppten wir unsere Sachen in unser Zimmer, was ein Doppelbett (eine große Matratze), ein Einzelbett und eigenes Badezimmer besaß. War zwar nichts dolles, reichte aber aus. Von unserem Zimmer aus konnte man die Vulkane in der Ferne sehen. Dieser Blick war zumindest unbezahlbar.

Vorweg noch eine kurze Info zum Tongariro National Park:
Er hat eine Fläche von 782 km^2 und gehört zu den beliebtesten Nationalparks Neuseelands. Neben seiner abwechslungsreichen Topographie, gibt es zahlreiche Vegetationszonen: Wälder, Buschland, Wüste, starkmineralhaltige Seen, Schwefelhalden, Krater und eine vegetationslose, mondähnliche Hochebene. Nicht zu vergessen: die drei noch aktiven Vulkane - liebevoll schlafende Riesen genannt - Ruapehu (2797 m), der im September letzten Jahres ein kurzes Erwachen hatte, Ngauruhoe (2291 m) und Tongariro (1968 m). Ngauruhoe, den wir umrundeten, ist der jüngste und aktivste Vulkan des Massivs. Dieser Vulkan wurde für die Trilogie "Der Herr der Ringe" digital verändert und bekam den Namen Mount Doom verpasst. Klingt bedrohlicher und lässt sich auch einfacher schreiben. Das Vergnügen kann also beginnen. Eine Karte mit den Wanderhütten und Vulkanen sieht man hier.