Freitag, 22. Februar 2008

27.12.07

Der heutige Tag ging für uns sehr früh los, schließlich hatten wir eine sehr lange Fahrt vor uns. Das heutige Ziel war Taupo mit einem Zwischenstopp in Waitomo bzw. Waitomo Caves (Waitomo Höhlen). Um genauer zu sein, müsste ich sagen, dass wir "eine" Höhle in Waitomo besuchen wollten und nicht "die" Höhle, denn von denen gibt es hier drei oder so.
Heute schien die Sonne, und der Taranaki ließ alle Hüllen fallen. Der Anblick war faszinierend. Drumherum alles flach und dann dieser Riese - wirkte irgendwie deplaziert.


Nach einem neuseeländischen Frühstück (Muffin und Kaffee) ging die Fahrt auch schon los; zunächst an der Küste entlang Richtung Norden, um dann auf der State Highway 3 (SH3) ins Landesinnere zu fahren.

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Waitiomo ist sogesehen keine Ortschaft, sondern nur eine Ansammlung von Hotels, Pubs und ein paar touristischen Einrichtungen. Es gibt mehrere Höhlen, und jede hat ihre eigenen Besonderheiten. Die Höhle, die wir besuchen würden, gehört einem Privatmenschen. Natürlich wollten wir nicht einfach so in die Höhle gehen, um uns dort zu verirren, nein, wir hatten eine Black Water Rafting Tour gebucht. In deren Broschüre wird damit geworben, dass die Gruppengröße nur sechs Leute beträgt, und dass die Höhle naturbelassen ist. Deren Programm beinhaltete ua.: Abseilen an der Wand hinunter zur Höhle (27 Meter tief), Glühwürmchen beobachten, Black Water Rafting, Höhlenwanderung und Wand wieder hochklettern zum Ausgangspunkt.
Nach einer langen Fahrt mit wenig Pausen kamen wir in Waitomo so um ca. 12.20 Uhr an. Die Tour sollte um 13 Uhr starten. Wir freuten uns schon richtig darauf.
Man kann die Höhlen auf zwei Arten besichtigen: entweder eine "langweilige" Bootsfahrt oder die Black Water Rafting. Hierbei handelt es sich um die actionreichere Variante. Hierzu presst man sich in einen Neoprenanzug mit Gummistiefeln und bekommt noch eine Stirnlampe an den Helm gepappt. Und so saßen wir zunächst in voller Montur im heißen Tourbus zur Höhle. Nach einer kurzen Einführung in die Abseil-Technik und einer kleinen Übungseinheit ging es dann auch schon zur Höhle, vorbei an vielen Schafen, die schwarze Neoprenleutchen in einer dürren Landschaft anstarrten. Schon irgendwie komisch. Ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass hier irgendwo eine Höhle sein sollte. Zum Glück dauerte der Fußmarsch auch nicht allzu lang. Mit den zig Karabinern am Körper kam man sich ziemlich cool vor und 27 m Tiefe sind schon eine ganze Menge. Der Spaß war aber riesengroß. Nachdem alle unten heil angekommen waren, schnappten wir uns jeweils einen riesigen Autoschlauch. Dieser sollte unser Transportmittel auf dem tiefen Wasser sein. Wir folgten einem Bachlauf direkt ins innere der Erde. Jules Verne ließ Grüßen ;)

Das Ganze war schon ein tolles Erlebnis: die feuchten Wände schimmerten gespenstisch im fahlen Licht der Stirnlampen, und es war so still, bis auf unsere splitsch-platsch Geräusche natürlich. Mal wateten wir durch das Wasser, das uns bis zum Hals reichte (beim Langen wohl bis zur Hüfte) und mal ließen wir uns auf unseren Autoschläuchen dahintreiben. Echt klasse. Ein besonderes Highlight waren die Glühwürmchen.
Die neuseeländischen Glühwürmchen sind eine eigenartige Spezies, die außerhalb des Landes kaum anzutreffen ist. Klar, sonst würden sie ja nicht neuseeländische Glühwürmchen heißen. So, Spaß beiseite. Nirgendwo auf der Welt wird man so viele schimmernde Lebewesen an einem Ort sehen. Mit ihrer Leuchtkraft locken sie ihre Nahrung an, im Gegensatz zu den europäischen Glühwürmchen, die damit ihre Artgenossen anzuziehen versuchen. Die leuchtenden Winzlinge sind eigentlich Maden (mit der ca 2 qmm großen Leuchtfläche am Schwanzende), die ca. ein Jahr lang an den Höhlenwänden leben und glühen, bevor sie "verglühen" und zu einem mückenähnlichen Wesen herangereift sind. Ohne jegliche Organe zur Nahrungsaufnahme, ist diesen "Mücken" aber nur ein kurzes Leben beschieden, wenn sie nicht schon vorher von ihren eigenen, fresssüchtigen Artgenossen verspeist worden sind. Denn das Glühen lockt sie an, wie andere Kleinstlebewesen auch, und sie verfangen sich in den feinen Fäden, die sie selbst gesponnen haben.
Diese Lebenswesen sind schon sehr beeindruckend und erst recht, wenn sie zu abertausenden eine dunkle Höhle so ausleuchten können, dass man sogar die Silouette der eigenen Hand sehen konnte. An einigen Stellen der Höhle konnte man sich in seinen Autoschlau setzen und sich dahingleiten lassen und den "Sternenhimmel" über einen betrachten. Herrlich!!! Wir selber konnten keine Fotos machen, weil wir kein wasserdichtes Gehäuse für die Kamera besitzen, aber unser Tourguide knipste dafür ordentlich. Diese konnte man natürlich am Ende der Tour käuflich erwerben. Halsabschneider gibt es auch hier Downunder! Der Lange und ich erwarteten eigentlich mehr Action, aber die Tour war trotzdem gut so, und vor allen Dingen sehr beeindruckend. Klitschnass kletterten wir die "Abstiegswand" wieder hoch und sahen somit wieder Sonnenlicht und Schafe. Kurz abgeduscht und wieder in trockenen Klamotten fuhren wir zum Ausgangspunkt dieser Tour zurück, wo wir alle eine kleine Tasse heiße Suppe bekamen, während wir auf die Foto CD warteten. Einige dieser Fotos könnt ihr bei Flickr sehen. Diese Tour lohnt sich allemal!!!
Es war inzwischen nach 18 Uhr, und die Fahrt nach Taupo stand noch bevor.
Nichts Böses ahnend fuhren wir auf der SH30 Richtung Taupo. Doch plötzlich meldete sich unser Tank. Der hatte Hunger und wollte gefüttert werden. Man sollte doch meinen, dass es in einem so großen Land zahlreiche Tankstellen geben sollte. Tja, Pustekuchen. Dank unseres Navigationsgerätes, den ich ab jetzt mal Navman nenne, fanden wir eine Tankstelle, die auf unserer Route lag. Das Problem war nur, dass diese schon geschlossen hatte. Auch wenn man ein Hybridauto besitzt, Wunder kann man nicht erwarten und bis Taupo hätten wir es garantiert nicht geschafft. So standen wir nun an der geschlossenen Tanke im Nirgendwo. Wir sind zwar Mitglied beim neuseeländischen ADAC, hier AA, aber wegen eines leeren Tankes wären die auch nicht kostenlos gekommen. Tja, was nun? Eine Horde Jugendlicher fuhr mit Fahrrädern an uns vorbei. Uns blieb nichts anderes über, als diese nach der nächsten Tanke zu fragen. Sie wollten uns nach Tokoroa (nördlich von Taupo an der SH1) schicken, was für meinen Geschmack recht weit weg war.

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Ich versuchte nun so sparsam wie möglich zu fahren. Im Klartext hieß das mit 70 km/h durch die Gegend zu tuckern, mit der ständigen Befürchtung, dass man den nächsten Hügel nicht mehr schafft, wovon es ziemlich viele gab. Hochkonzentriert und schweigsam fuhren wir nun nach Tokoroa. Die Sonne war schon am Untergehen, und ich sah uns, die Nacht im Wald verbringend. Uns plumpste ein rieser Brocken vom Herzen, als wir in Tokoroa an der geöffneten Tanke ankamen. Jetzt muss ich auch unseren Wagen loben, der wirklich sparsam fahren kann. Zwar nimmt er es einem Übel, wenn man ihn nicht abschließt, aber die Geschichte kennt ihr ja. Wir sind tatsächlich über 70 km auf Reserve gefahren, und das über Hügel und durch Täler. Tja, eigentlich war bisher Tanken kein Problem gewesen, aber die, die auf dem Lande sind, schließen nun auch schon um 18 Uhr oder eher. Ab jetzt wird das dick hinter die Ohren geschrieben! Unsere Mägen waren inzwischen auch auf Reserve, aber wieder einmal hatte kein Restaurant geöffnet. Das war zum Mäusemelken. Halb ausgehungert und sehr spät am Abend kamen wir in Taupo an. Zunächst waren wir auf Restaurantsuche, aber auch hier fanden wir auf die Schnelle erstmal nichts. So entschlossen wir uns, unsere Sachen zur Jugendherberge zu fahren. Kaum alles abgeworfen, machten wir uns auf Futtersuche. Und tatsächlich fanden wir ein Restaurant im Mexiko-Stil. Drinnen fanden wir einen Böden vor, der vor lauter Erdnussschalen nicht zu sehen war. Man warf den Erdnussmüll einfach auf den Boden. Ab und dann wurde von den Kellnern auch mal durchgefegt, oder wie der Lange als kleines Kind zu sagen pflegte: "Es wurde auch mal gebest". Wir stürzten uns also auf die Erdnüsse, die kostenlos angeboten wurden. Das Essen ließ auf sich warten, aber durch die Erdnüsse hatten wir schon einmal eine gute Grundlage. Vollgefressen fuhren wir wieder zur Jugendherberge zurück, wo wir zwei Nächte verbringen wollten. Am nächsten Tag konnten wir uns also Taupo in Ruhe anschauen.

25. und 26.12.07

Nachdem wir den verregneten 25. in Wellington in unseren vier Wänden verbrachten, machten wir uns am 26.12. ausgeschlafen und frisch gewaschen auf den Weg nach Norden - wieder. Die Fortsetzung unseres Urlaubes sollte in dem kleinen Örtchen Hawera, im Taranaki National Park, stattfinden. Herzstück dieses Parks ist der Vulkan Taranaki oder auch Mt. Egmont, wie die weißen Neuseeländer ihn nennen. Er ist 2518m hoch und wirkt wie ein schlafender Riese am äußersten Westzipfel der Nordinsel.

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Nach einer Legende der Maori soll Taranaki zusammen mit anderen Bergen im Zentrum der Nordinsel gelebt haben. Als er aber mit der Frau des Tongariro (den kennt ihr ja jetzt auch) ein Verhältnis begann, wurde er aus dem Kreis der Bergriesen verbannt. Vom Inneren der Insel wanderte er nach Westen. Auf seinem Weg hinterließ er tiefe Spuren, unter anderem Whanganui River (siehe 7. bis 9.2.08), bis er schließlich an seiner heutigen Position zur Ruhe kam. A propos Ruhe - seinen letzten Ausbruch hatte er 1636. Seinen "weißen" Namen verdankt er dem Earl of Egmont, dem ersten Lord der Admiralität. Beinahe hätte er auch noch einen dritten, französischen Namen erhalten, welcher sich aber nicht durchsetzen konnte. Der "Fudschijama Neuseelands", wie in viele auch noch nennen, ist das Wahrzeichen eines fast 340 qkm großen National Parks, der sich in einem Radius von etwa 10 km um den Gipfel erstreckt. Dieser Berg ist nämlich der zweitperfekteste Kegelvulkan nach dem Fudschijama. Er hat nur eine kleine Beule an der Seite, aber da muß man schon genau hinschauen.
Nach einer langen Fahrt, dieses Mal an der Westküste entlang, kamen wir am späten Nachmittag im kleinen Örtchen Hawera an. In Wellington schien die Sonne; hier mussten wir uns mit dicken Wolken und leichtem Nieselregen abfinden. Die Spitze des Taranaki konnte man nicht sehen. Naja, was soll's. Zunächst brachten wir unsere Habseligkeiten in unsere Unterkunft - Wheatly Downs Farmstay. Ja, Farmstay, wo es auch Tiere gibt ;) Empfangen wurden wir von einem niedlichen, aber strengriechenden Hund. Sonst war niemand da. Der Hund wurde ausgiebig gestreichelt. Der bettelte förmlich danach. Anscheinend wird er wohl nicht so häufig gestreichelt. Nachdem ich meine Hände danach beschnupperte, war mir auch klar, warum. Ich roch jetzt auch nach Landhund. Tja, was erwartet man denn schon! Wir ließen uns selbst in unser Zimmer hinein und wuschen uns kräftig die Hände. Jetzt war es aber erstmal an der Zeit, etwas Essen zu gehen. Der Hund wurde nicht mehr angefasst, auch wenn er uns noch so lieb anschaute. So fuhren also durch die Gegend und konsultierten unser Navigationsgerät ausgiebig auf Restaurants. Aber irgendwie scheint ein Fluch auf unseren leeren Mägen zu liegen. Es hatte kein Restaurant geöffnet. Mal wieder!!! So fuhren wir von einer verschlossen Tür zur nächsten und immer wieder am KFC vorbei. Die hatten immer auf. Wir weigerten uns aber vehemment dagegen. Der letzte KFC-Fraß war uns noch sehr gut in Erinnerung, und zwar nicht in aller bester. Halbverhungert ergaben wir uns aber doch, und gaben KFC eine zweite Chance. Wieder einmal tief enttäuscht, wollten wir noch einen Verdauungsspaziergang machen, was auch wirklich nötig war nach dieser fettigen Pampe. Das Ziel war auch klar: ab zum Taranaki!!!
Um den Berg ist es sehr flach, so dass der schneebedeckte Taranaki immer sehr gut zu sehen war. Hier und da ein paar Mal abbiegen, und schon waren wir in einer Allee, die uns direkt zum Taranaki führte. Ich muss sagen, dass dieser Teil der Fahrt sehr beeindruckend war. Man tauchte förmlich in eine Traumlandschaft ein. Rechts und links hohe Bäume, deren Kronen sich meterhoch über der Straße trafen und einem den Blick zum Himmel versperrten. Diese Fahrt muss man gemacht haben, und zwar war es die Straße, die zu den Dawson Falls (Dawson Wasserfällen) führte.

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Der Wagen wurde kurzerhand am Miniparkplatz abgestellt. Ausgesucht hatten wir uns den Kapuni Weg - ein einfacher Weg von einer Stunde Gehzeit. Dieser führte über einen Lavastrom zum Wasserfall. Vom Lavastrom hatte ich nicht viel gemerkt, wohl aber den matschigen Boden. Gerade an diesem Tag hatte ich nun keine Wanderschuhe an, sondern Sandalen. Dann fing es auch noch an zu regnen, somit wurde ich von unten und oben leicht nass. Aber der Rundweg lohnte sich allemal. Dicht bewachsenes Grün und frische, klare Luft. Tief durchatmen und genießen .... und nebenbei noch Fotos knipsen. Nachdem wir für Körper und Seele für Erholung gesorgt hatten, fuhren wir wieder zu unserer Unterkunft. Die Farm lag etwas außerhalb von Hawera. Und wenn man schon auf einer Farm ist, muss man sich auch die Tiere angucken. Ich hatte bißchen mehr erwatet als nur paar Schafe und Kühe (vielleicht hatten sich die anderen nur vor mir versteckt?), aber die Schweine und die kleinen Ferkel machten alles wett. Der Lange und ich befanden uns inmitten von superdreckigen Schweinen und den niedlichen Ferkeln. Ehe wir uns versahen, waren wir auch schon umzingelt. Am liebsten hätte ich die kleinen Ferkel geknuddelt, aber wer weiß, was deren Mamas mit mir dann gemacht hätten. Wohlmöglich einen großen Apfel in Mund und ab auf den Spieß ;)
Es wurde auch schon ziemlich schnell dunkel, und der Taranaki war immer noch wolkenbehangen. Wir hofften auf bessere Sicht am nächsten Morgen.

Sonntag, 10. Februar 2008

24.12.07

In der Nacht hatte es geregnet. Dank der Ohrstöpsel hatten wir eine ruhige Nacht mit unserem Schnarcher. Die anderen, die in den benachbarten Zimmern schliefen, hatten anscheinend nicht so gut schlafen können. Der Schnarcher war wohl gut am Sägen gewesen.
Es war bewölkt, aber trocken. Um ca. 8:35 Uhr machten wir uns auf den Weg. Heute gab es keine schwierigen Etappen zu meistern - alles war sehr flach. Das war eine ideale Fläche für den Wind, der ständig zunahm. Jacken mussten also angezogen werden. Es gab wahrlich nichts Besonderes zu sehen; nur öde, ebene Flächen, Schotter und ausgetrocknete Flussbetten. Meine Gedanken drehten sich ständig darum, am Heilig Abend nicht bei der Familie sein zu können. Der Heimweh nagte kräftig an mir, und ich kämpfte ständig gegen die Tränen. Der Wind trocknete diese aber schnell weg. Meine Laune war auf dem Tiefstpunkt, was man den Fotos auch ansehen kann. Die Blase am Fuß war diesbezüglich auch nicht gerade hilfreich.
So um die Mittagszeit machten wir einen kleinen Abstecher zum Unteren Tama See (ca. 10 Minuten vom Hauptweg entfernt). Zum Oberen Tama See, der über einen steilen Weg erreichbar und ca. 1 Std. und 30 Min. entfernt war, konnten wir uns nicht überreden. Am Unteren Tama See aßen wir dann auch unseren Müsliriegel. Das war für mich immer eine Gratwanderung zwischen Energiezufuhr und Sich-Übergeben. Ich konnte diese Dinger nicht mehr sehen. Wenigstens der Blick über den See war eine Wonne, obwohl der Wind es ungemütlich machte. Fotos mussten aber dennoch geschossen werden ;)))
Bevor wir ganz auskühlten, machten wir uns wieder auf den Weg. Die graue Landschaft wurde hier und da durch einige grüne Farbtupfer geschmückt. Das Grünzeug kam immer näher. Yippie!!!
Der Hauptweg teilte sich nun. Wir entschieden uns für den Wasserfall. Der Weg dorthin führte über eine lange Treppe hinab durch Busch und Bäume, die wir schon sooooooo lange nicht mehr gesehen hatten. Vorbei am Wasserfall führte unser Weg in die Zivilisation am Wasser entlang durch einen Buchenwald. Vögel zwitscherten fröhlich vor sich hin, was wir sehr genossen.
Um kurz vor 16 Uhr kamen wir an unserem Startpunkt an - Whakapapa Village. Unser Weg führte uns zunächst in die DOC-Zentrale, wo wir etwas Geld zurück bekamen, da wir ja nicht fünf Tage, sondern nur 3 Tage unterwegs waren. Nach einem kleinen Abstecher zur Toilette und eine kurze Wanderung durch die Austellung des DOC (Department of Conservation) wollten wir uns noch einen Kaffee im Cafe gönnen, aber leider war dies schon geschlossen. Den Schweizer, den wir in der letzten Hütte kennengelernt hatten, trafen wir hier wieder. Der wartete vergeblich auf seinen Transport zur nächsten Stadt. Wir entschieden uns, ihn bis zur nächsten großen Kreuzung mitzunehmen. Da hatte er deutlich mehr Chancen auf Mitnahme. Nachdem wir unser Gepäck abholten, was sich bis jetzt in der National Park Jugendherberge befand, machten wir uns auf den Weg nach Wellington. Unterwegs wollten wir etwas essen. Ihr glaubt ja gar nicht, wie schwierig es abends hier mit Futtersuche sein kann. Die Restaurants hatten irgendwie alle zu. Am 24. lag das nicht. Die Neuseeländer feiern, wie die Amerikaner auch, Weihnachten am 25.12. Pubs und Bars hatten noch geöffnet, wo es nur Pommes usw. gab. Wir wollten aber etwas ordentliches zu essen haben. Unsere Entscheidung fiel auf Denny's in Wellington, von dem wir wussten, das dieser laut Anzeige 24 Stunden 7 Tage die Woche geöffnet haben soll. Mit knurrendem Mägen fuhren wir also nach Wellington. Sehr spät am Abend kamen wir an. Nur leider hatte auch Denny's geschlossen. Was für ein Weihnachten. Hungrig und müffelnd suchten wir verzweifelt ein Restaurant. In solchen Momenten wünscht man sich wirklich wieder nach Deutschland!!!
Schließlich fanden wir ein indisches Restaurant, wo wir hineinstürmten und fast alles bestellten, was sich auf der Karte befand. War natürlich viel zu viel, aber hier in NZ sind sogenannte Doggy Packs üblich (übrig gebliebenes Essen mitnehmen). Vollgestopft bis kurz vorm Platzen, überreichte mir der Lange unser Weihnachtsgeschenk von meinen Schwiegereltern. Der Lange wusste, was sich in der Karte befand - er war schließlich auch derjenige, der das Geschenk vor Ort besorgt hatte.
Es waren zwei Konzertkarten für "The Police" am 17.01.2008 in Wellington. Ein Grinsen machte sich in meinem Gesicht breit. Die Freude war riesig. Nochmals Danke meine Lieben!!!!!!!
Müde und vollgefressen machten wir uns auf den Heimweg, wo eine heiße Dusche sehnsüchtig auf uns wartete.

Montag, 4. Februar 2008

23.12.07

Für den heutigen Tag hatten wir uns vorgenommen, zur Ketetahi Hütte zu gehen und dort zwei Nächte zu bleiben. Wir wollten ja diese Wanderung schließlich genießen. Dieser Tag begrüßte uns mit schönem Wetter. Zum Frühstück gab es wieder Müsli. Am Frühstückstisch unterhielten wir uns mit den anderen Wandersleuten. Diese Nationen war vertreten: USA, Deutschland, Neuseeland und noch irgendein Land. Man unterhielt sich zum Beispiel über die heutige Wanderung. Dieser Streckenabschnitt (Mangatepopo Hütte zur Ketetahi Hütte) ist auch als der Tongariro Crossing bekannt, einer der besten Eintageswanderung Neuseelands. Uns wurde auch gesagt, dass man am heutigen Tag sehr viele Leute auf dem Weg sehen wird, die diese Eintagestour machen. Man sollte sich früh auf den Weg machen, wenn man dieser Menschenmenge entfliehen möchte. Wir stopften alles in die Rucksäcke und machten uns um 8:15 Uhr auf den Weg. Und tatsächlich, kaum waren wir auf dem Hauptwanderweg angekommen, sah man die menschliche Perlenkette. Diesemal hatte der Lange meine Kamerabauchtasche. Ihr könnt euch ja ausmalen, warum. Er hat einfach die längeren Beine!
Der Beginn dieses Wandertages war schön aber auch wieder schweißtreibend. Wir ließen viele passieren, da ich einfach nicht schneller laufen konnte. Der Weg führte bergauf durch das Mangatepopo Tal entlang an einem kleinen Bach. Damit man die Vegetation nicht zerstört, gibt es einen Holzweg auf Stelzen, den man nicht verlassen sollte. Überall wachsen Moose und Flechten, was die rot-grau-schwarze Landschaft zu Leben erweckte. Soweit, sogut. Die Stimmung war gut, und die Kamera knippste fröhlich vor sich hin.
Mir fiel aber fast die Kinnlade herunter als ich mit den Augen den Weg vor uns verfolgte. Er war steil, sehr steil. Am liebsten wäre ich zurückgegangen, aber mein Ehrgeiz verbat es mir. In einem Buch wird dieser Bereich mit kurz und steil beschrieben. Mir kam er endlos lang vor. Nicht immer alles glauben, was in Büchern steht!!! Ich machte häufige kurze Pausen und hatte das Gefühl gehabt, das ein Sauerstoffzelt jetzt genau das Richtige gewesen wäre. Der Lange hingegen bevorzugte längeres Gehen mit längerer Pause. Wir behielten uns aber stets im Auge, wenn die Schweißtropfen uns nicht gerade kurz erblindet hatten. Nach häufigem Zureden von "Du schaffst das, du schaffst das. Nicht aufgeben!", erreichten wir endlich den Sattel zwischen dem Ngauruhoe und Tongariro. Nach tiefen Luftzügen erblickten wir eine weite, trostlose Ebene, durch die es gut wehte. Irgendwie hatte diese Ebene auch etwas Faszinierendes. Keine Gedanken plagten einen. Wir genossen einfach diese öde Ebene! Rechts von uns lag der Ngauruhoe. In einem Buch steht, ich zittire: "Der steile, symmetrische Kegel mit seinen leichten Rauchschwaden hat eine magische Ausstrahlung, denn der Wunsch, hoch an den Kraterrand zu steigen, wird immer stärker". Mit einem hatte der Autor ja Recht; er hat eine magische Ausstrahlung, nur wurde bei mir in dem Moment der Wunsch nicht allzu riesig, da hoch zu laufen. Hätte man nichts anderes vorgehabt, so hätten wir diese Strecke ohne Rucksack auch noch auf uns genommen, aber wir spielten mit dem Gedanken unsere anfangs Fünftagestour auf drei Tage zu verkürzen, da der Wetterbericht nicht allzu gut war. Im Regen Wandern ist wahrlich keine große Freude!
Wir ließen diese trostlose Ebene auf uns einwirken und waren fleißig am Knipsen. Vergessen waren die Aufstiegsstrapazen. Durch den riesigen "South Crater" führt ein Weg auf den Kraterrand zu. Auch dieser Abschnitt war ziemlich steil, und das Luftschnappen ging wieder von vorne los. Obwohl man wie ein Schwein schwitzte, war der Wind sehr kalt, und wir zogen uns die Jacken über. Ich spielte auch mit dem Gedanken meine Flieshandschuhe anzuziehen. Das hatte ich mir dann doch noch verkniffen. Auf die Sucherei im Rucksack hatte ich keine Lust. Am Rande von "Red Crater" angekommen, sahen wir in ein riesiges, dampfendes, bunt schillerndes Loch. Es war wirklich atemberaubend. Hmmm, war es der Anblick dieses purpurroten und schwarzen Gesteins, der uns die Luft wegnahm, oder der Schwefelgeruch, der in der Luft lag??? Die Umgebung wirkte schon fast unwirklich mit den aus der Erde tretenden Dampfwolken. Ein Vorteil war es allerdings, dass ich meine kalten Fingerchen an der heißen Erde aufwärmen konnte. War echt super! Schon irgendwie gruselig, wenn man bedenkt, dass es unter einem brodelt und die Party jederzeit losgehen kann. Ein paar Schritte weiter sahen wir schon die nächste Attraktion: die "Emerald Lakes" und den "Blue Lake". Diese Seen liegen still, fast friedlich, unterhalb von "Red Crater" und sehen aus, als ob ein Künstler mit seinen Farben nicht gespart hätte; wie Farbtupfer in einer bizarrwirkenden Welt. Bei diesen Seen handelt es sich um Explosionskrater, die sich mit der Zeit mit mineralhaltigem Wasser aufgefüllt haben. Die Mineralien wurden aus dem Thermalbereich des "Red Crater" herausgewaschen.
Um an diese "Emerald Lakes" heranzukommen, mussten wir einen steilen Lavageröllabhang wie auf Schienen hinuntergleiten; eine sehr staubige Angelegenheit. Unten angekommen, hatten die Seen ihre Wirkung irgendwie verloren. Von oben betrachtet, sahen sie viel besser aus. Nichtsdestotrotz gönnten wir uns hier, wo es gut nach faulen Eiern riecht, eine Pause und aßen ein paar Müsliriegel. Dieser beißende Geruch nahm einem schon fast den Appetit. Nun saßen wir da, und sahen uns die Seen und gelbe Schwefelablagerungen auf den Abhängen von der Ferne an. Schon irgendwie eigenartig diese Gegend oder sollte ich unheimlich sagen? Kein Strauch, kein Baum, kein Vogel - nur Lavagestein, feiner Geröllschutt und Rauchschwaden, die sich den Weg in die Freiheit durch die Ritzen des Vulkans suchen. Ein toller Anblick und diese Stille, wenn nicht diese Menschenmenge da wäre. Die "Belagerung" hatte schon den Charakter eines Großfamilienpicnics. Es wurde gegessen, getrunken, geklönt und hier und da kleine Wehwehchen behandelt. Ein junger Mann, der von Gruppe zu Gruppe ging, als ob er etwas suchen würde, fand auch seinen Weg zu uns. Er war verzweifelt auf der Suche nach Kochgeschirr, um guten Mocca für sich und seine Freunde zu kochen. Wandersleute müssen sich doch helfen! Also kramte ich nach unserem Kochgeschirr im Rucksack. Überglücklich bat er uns als Dank Mocca an, den wir (leider) ausschlagen mussten. Bis zur nächsten Hütte war es noch ein gutes Stück, und auf Wildnistoilette hatte ich nun wirklich keine Lust gehabt. Unser Kochgeschirr immer fest im Blickfeld, genossen wir unsere Pause. Der junge Mann brachte nach einiger Zeit unser Geschirr wieder zurück und kamen dabei ins Gespräch. Das Thema ist immer dasselbe: "Woher kommt ihr? Welche Hütte ist euer nächster Stopp?" und so weiter und so fort. Als wir erwähnten, dass wir aus Deutschland kommen, änderte sich sein Gesichtsausdruck schlagartig. Er und seine Freunde stammen nämlich aus Israel. Wir unterhielten uns noch eine Weile über dieses und jenes. Ich frage mich immernoch, ob er unser Geschirr ausgeliehen hätte, wenn er vorher gewusst hätte, dass wir aus GER stammen.
Mit dem Wissen, dass wir die Ketethi Hütte überspringen würden, machten wir uns langsam auf den Weg zur Oturere Hütte, die ca. 4,4 km entfernt sein sollte. Es war sehr warm mit einer leichten Brise, die etwas Abkühlung schaffte. Die Jacken wurden wieder in die Rucksäcke gedrückt. Es ging ziemlich steil bergab in das Oturere Tal, von wo man das ganze Tal überblicken konnte. Von der Ferne sah alles aschgrau und trocken aus. Von Nahem betrachtet konnte man viel Leben entdecken in Form von vielen nicht allzu hohen Pflänzchen. Ach war das Gefühl schön, mal wieder bergab zu gehen!
Unser Weg führte uns durch eine Landschaft, die durch frühere Eruptionen des "Red Crater" geschaffen wurden - unendlich viele ungewöhnlich geformte Lavaablagerungen. Für uns Laien sah irgendwann alles gleich aus. Auch wenn der Vulkan Ngauruhoe immer noch der gleiche war, konnten wir unsere Augen einfach nicht von ihm lassen. Magisch zog er immer wieder unsere Blicke auf sich. Uns entgegen kam eine Familie mit drei kleinen Kindern, die zu den "Emerald Lakes" wollten. Die Frau sah sehr geschafft aus. Gegenseitig erkundigten wir uns, wie weit es denn noch zur nächsten Hütte bzw. zu den Seen ist. Die Hütte sollte nicht allzuweit weg sein, aber in den Stiefeln der Frau möchte ich nicht stecken. Da war noch hartes Stück Arbeit vor ihr. Gut gelaunt gingen wir weiter. In so einer menschenleeren Gegend (die meisten gingen ja zur Ketetahi Hütte) hatten wir genug Zeit gehabt, um über unseren weiteren Tagesablauf zu reden. So im nachhinein habe ich das Gefühl, dass uns die Anstrengungen des bisherigen Tages und die Hitze zu Kopf gestiegen waren. Wir hatten nämlich jetzt vorgehabt noch eine weitere Hütte zu überspringen. Entscheiden wollten wir uns aber, wenn wir die vor uns liegende Hütte erreicht hatten. So gegen 15 Uhr kamen wir da auch an. Nach einer kräftigenden Zwischenmahlzeit - ihr könnt ja raten, was es gab - entschieden wir uns weiterzugehen. Der Grund nochmal zur Erinnerung, war die schlechte Wetterprognose für den 25.12.. Meinen persönlichen Wetterfrosch(mann) habe ich ja immer bei mir ;))))) und Müsliriegel konnte ich nicht mehr sehen! Von der Oturere Hütte bis zur Waihohonu Hütte, wo wir definitiv übernachten würden, waren es ja nur noch 7,5 km. Dieser Streckenabschnitt war wahrlich nichts besonderes: trockene Flussbetten und offene Kieselsteinfelder begrüßten uns. Immer wieder schauten wir uns die Vulkane Ngauruhoe und Ruapehu an, die das Panorama erfüllten. Der Rest der Landschaft erinnerte uns eher an eine Mondlandschaft, trocken und öde bis auf einige kleine Büsche hier und da.
Unermüdlich wurde die Kamera gefoltert. A propos Folter: die Füße machten sich "langsam" bemerkbar. Ich hatte mit dem großen Onkel meines rechten Fußes zu kämpfen. Das Abrollen schmerzte etwas, aber immer noch genug um häufiger kleine Päuschen zu machen. Der Lange hingegen machte einen noch recht frischen Eindruck. Immer wenn ich ihn mit seiner Mütze betrachtete, und das konnte ich ja reichlich, weil ich hinter ihm ging, hatte ich eher das Gefühl, in der Wüste zu sein und nicht im grünen Neuseeland. So nach und nach änderte sich das Aussehen der Landschaft. In nicht allzu weiter Ferne konnte man Wälder erkennen. Bis zur Zivilisation war es aber noch ein weiter weg. Der Weg führte uns immer am Fuße des Ngauruhoe entlang. Diesen Part hatten wir beide sehr genossen und nur selten sahen wir andere Wanderer, die uns schnellen Schrittes überholten oder uns entgegenkamen.
Jetzt kam wieder ein Bereich, der mir sehr zusagte: bergabgehen. Mir war aber schon bange, weil ich anhand der Broschüre wusste, dass wir die Höhenmeter, die wir jetzt nach unten gingen, nach der Flussüberquerung wieder nach oben gehen mussten!!! Man kann sich die große Freude bei mir vorstellen. So pilgerten wir hinunter, vor Augen das dichte Grün, durch das wir wieder hochgehen mussten. Kaum hatten wir den Fluss über die Brücke passiert, ging es wieder steil bergauf. Die Suppe lief einem nur so herunter. Nach vielen kurzen Päuschen, Flucherein und gutes Zureden meines großen Onkels am rechten Fuß, merkte ich, dass mir das Wasser ausging. Der Lange vorweg hatte schon längst kein Wasser mehr. Erwähnt hatte er aber nichts. Hatte mich schon gewundert, dass er nicht mehr so häufig trank. Kurze Bemerkung zu unseren "Wassertanks" im Rucksack: am Anfang des Tages hatte jeder von uns drei Liter Wasser im Gepäck!!! Schnaubend, ächzend und schwitzend erreichten wir schließlich den Gipfel, wo wir uns erstmal erholen mussten. Und ich glaube, dass jeder für sich da saß und die Entscheidung, die letzte Hütte zu überspringen, bereute. Ich tat es zumindest.
Nun saßen wir hier, ohne Wasser und lauschten den Vögeln. Endlich wieder Vogelgezwitscher. Das klang so schön. Keine 50 m Luftlinie entfernt noch öde Mondlandschaft und jetzt Vogelgezwitscher im Birkenwald. Verrückt, aber wahr. Kaum normalisierte sich der Puls, ging es auch schon wieder weiter. Wir mussten die nächste Hütte erreichen. Die Umgebung war wirklich schön, nur hatte ich das Gefühl, dass keiner von uns diese zur Zeit genießen konnte. Mein Wassermangel löste bei mir schon Halluzinationen aus, so dass ich die Hütte hinter jedem Baum sah. Nein, nur Spaß!!! So schlimm war das mit dem Durst nicht. Wir wussten ja, dass es nicht mehr weit war. Gott bzw. Allah sei Dank kamen wir dann auch an. Ankunftszeit ca. 19 Uhr. Wir waren die letzten Ankömmlinge in der Hütte. In dem Zimmer, wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollten, war ein Bett von einem mächtigen Mann belegt, der bereits im Traumland war. Alle anderen warnten uns vor dem Superschnarcher. Ohrstöpsel sind heutzutage goldwert. Einige der "Mitbewohner" stammten aus der Schweiz und Österreich, so dass man sich deutsch unterhielt. Hmm, obwohl wir so lange unterwegs waren, hielten der Lange und ich uns wacker auf den Beinen.
Fazit des Tages:
Wanderbeginn 8.15 Uhr, zwei Hütten übersprungen, Ankunftszeit in der Waihohonu Hütte 19 Uhr.
Wir sind insgesamt 19,9 km in 10 Stunden und 45 Minuten (inkl. Pausen) gegangen und hatten dabei den halben Vulkan umlaufen. Eine Mütze voll Schlaf hatten wir uns somit redlich verdient.