Samstag, 29. März 2008

30.12.07 Rotorua/Coromandel

Gut genährt noch vom vorherigen Abend, packten wir in Ruhe unsere Sachen ein, holten vom Bäcker unser Frühstück, um am See zu frühstücken. Mein lieber Mann, war das ein Geruch am See! Als ob das schon nicht genug gewesen wäre, gab es auch noch zahlreiche kleine lästige Fliegen, die das Frühstücken unmöglich machten. So entschieden wir uns auf neuseeländische Art und Weise zu Essen: im kochendheißen Wagen. Nach dieser schweißtreibenden Geschichte gönnten wir uns eine Gondolafahrt auf den Berg, um Rotorua nochmals im Panorama anzuschauen.
Die Gondeln wurden in der Schweiz hergestellt (hmm, warum wohl) und können jeweils 4 Personen transportiern. Wir hatten eine ganz für uns. Traute sich wohl keiner, zu den Fässern zuzusteigen..... Oben angekommen, hätten wir uns in den Hintern beißen können. Nicht weil wir Hunger hatten, nein, weil der Ausblick hier so traumhaft war, dass man das Frühstück hätte hier einnehmen können. Hier gibt es unter anderem auch eine Sommerrodelbahn. Auf einer Art Schlitten fährt man den Berg hinunter, um dann mit dem Skilift wieder hochgefahren zu werden. Bei so einem tollen Wetter könnt ihr euch ja die dementsprechende Schlange vorstellen. Darauf hatten wir keine große Lust. Außerdem hätte man zwei tödliche Geschosse niemandem zumuten können (p=mv sage ich da nur). Nachdem wir das Panorama ausführlich weggeknipst hatten, wollten wir dann auch weiter. Unser nächster Halt war das Agrodome, was sich in einem Themenpark befindet (www.agrodome.co.nz). Hier findet das (Action-)Herz fast alles, was es sich nur wünscht. Man kann z.B. wie Jacki Chan in einem "Hamster-Laufball" einen Berg hinunterlaufen. Schon verrückt diese Engländer, ich meine natürlich Neuseeländer! Unser Interesse galt aber der Schaf-Show. Schon irgendwie lustig: trotz ihrer 40 Millionen Schafe in diesem Land, werden die Neuseeländer nicht müde, alles rund ums Schaf zu bestaunen. Nachdem die Touris aus aller Welt in einer großen Halle zusammengefercht werden, werden diese mit Kopfhörern ausgestattet, wo sie über einen Pult vor ihnen ihre Sprache aussuchen können, in der sie die Show verfolgen wollen. Die Show unterrichtet umfassend, aber auch witzig, über Neuseelands wichtigsten Exportartikel. Aufzucht und Schafschur werden vorgeführt. Wusstet ihr, dass es bei Schafen einen bestimmten Punkt in der Lendengegend gibt, der, wenn man auf ihn drückt, das Schaf dazu bringt, das Bein auszustrecken? Sieht schon sehr lustig aus, aber bei der Schafschur muss man eben gewisse Tricks draufhaben. Es werden ca. 19 Schafarten vorgestellt, die auf der Bühne ihre gewisse Positionen auf einem "Dreieck" haben. Damit sie auch da bleiben, wo sie sein sollen, werden sie angekettet, und ein kleines Becherchen auf Maulhöhe wird mit Leckerlies gefüllt. Schafe sind aber nicht dumm. Naja, zumindest sind einige nicht dumm. Diese stiebitzten nämlich immer schön beim Nachbarn aus dem Becherchen. Die obere Reihe an Schafen stellten die Wollschafe dar, mit dem (Super-) Merino an der Spitze - die untere Reihe die Fleischschafe bzw. ein Milchschaf - unser Ostfriesen-Schaf! Von denen gibt es aber anscheinend nicht so viele hier, was den extrem hohen Schafsfeta-Preis erklärt. Als der Moderator bei einem Schaf anhielt und erzählte, das dessen Fleisch am leckersten sei, hielt er dem Schaf die Lauschlappen zu. Ist das nicht süß??? Die beeindruckende Geschicklichkeit der abgerichteten Hirtenhunde wurde auch vorgeführt. Kühe kamen bei der Schaf-Show aber auch vor. Man hatte sogar die Möglichkeit, die Kuh eigenhändig zu melken. Mein persönlicher Lieblingspart war der mit den Lämmern. Einige Zuschauer hatten die Möglichkeit, die kleinen Lämmer mit der Flasche zu füttern!!! Ich war leider nicht darunter, aber ich hatte diese ja ausführlich vor der Show streicheln können. Sie waren für jeden zugänglich in einem Seitenbereich der Halle. Ich war neugierig genug, überall mal reinzuschauen. Ihr könnt euch ja gar nicht vorstellen, was für Luftsprünge mein Herz machte. (Einige können sich das schon vorstellen ;)) Ich hatte sie geknufft, gestreichelt, und am liebsten alle mitgenommen. Und nicht zum Verzehr, denn das hätte ich nicht über Herz gebracht. Sie knabberten ständig an meiner Hose, weil sie ziemlich hungrig waren, damit sie bei der Show auch kräftig an den Fläschchen nuckelten, was sie auch taten. Am Ende der Show hatte man die Möglichkeit, die Schafe zu piesacken. Natürlich waren sie noch immer angebunden, sonst hätte sich wahrscheinlich keiner rangetraut. Vorbei an stinkenden Schafen und deren Hinterlassenschaften, fassten wir auch das Merinoschaf an. Es hat ein unsagbar dichtes und unter der Dreckkruste ein sehr weiches Fell. Wer möchte nicht im Winter damit herumlaufen? Der Winter ist noch in weiter Entfernung, sowie unser nächstes Ziel: die Coromandel-Halbinsel. Um genauer zu sein, war es ein kleines Örtchen namens Whitianga auf der Coromandel-Halbinsel.



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Es war eine schöne, aber auch elendig lange Fahrt durch einen Teil des Coromandel Forest Parks. Besonders der letzte Abschnitt war sehr kurvenreich und häufig sogar schon für ein Auto fast zu eng zu befahren. Und dann noch Gegenverkehr! Aber über die Fahrweise der Neuseeländer wird es noch einen gesonderten Blog-Text geben.
Nirgedwo im Land ist auf einem Gebiet die Landschaft so kontrastreich wie hier auf der Halbinsel. Auf der einen Seite bizarre Berge vulkanischen Ursprungs, von üppigem Busch überwuchert und auf der anderen Seite eine tief zerklüfftete Küste mit traumhaften Buchten und Sandstränden, die von Pohutukawa-Bäumen gesäumt sind. Um die Weihnachtszeit entfalten sie ihre Blütenpracht. Daher werden sie von den Neuseeländern auch Christmas-Tree (Weihnachtsbaum) genannt.
Spät am Abend und arg ausgelaugt kamen wir dann schließlich in der Jugendherberge an. Händewaschen und Zähneputzen waren hier eine Herausforderung: das Waschbecken war winzig, ja fast "mikroskopisch" klein, so dass man beim Ausspucken des Zahnpasta-Schaumes regelrecht Angst hatte, daneben zu spucken. Wir stellen uns eben gerne solchen Herausvorderungen. Wenigstens die Dusche war Standardgröße. Frisch geduscht gingen wir dann auch bald zu Bett. Unser Zimmer befand sich, sowie alle anderen in der Etage auch, gleich am Gemeinschaftsraum. Nur unseres hatte den Fernseher des Gemeinschaftsraumes gleich an der Wand. Es wurde recht lange von den anderen Fernsehen geschaut mit einer nicht zu überhörenden Lautstärke. Gelobt seien unsere Ohrstöpsel! Amen.

Freitag, 28. März 2008

29.12.07 Rotorua (es geht weiter)

Die Stadt liegt in einem weltweit einzigartigen, aktiven Thermalgebiet mit hoch aufschießenden Geysiren, unzähligen dampfausstoßenden Kratern und blubbernden, stinkenden Schlammlöchern. Über dieser Stadt liegt ständig ein Schwefelgeruch, der stark an faule Eier erinnert. "Sulphur City" (Schwefelstadt) wird Rotorua im allgemeinen auch genannt. Die Maori setzen aber eins noch drauf, denn die haben für das Stadtzentrum einen noch besseren Namen gefunden: "Whangapipiro", was soviel heißt wie "fürchterlich stinkender Platz". (Ein kleiner Hinweis zur Aussprache: "wh" wird ausgesprochen wie ein "f". Das "r" wird richtig gerollt, bis dem Buchstaben übel wird.) Rotorua gilt als Hochburg der Maori. Hier ist ihre Kultur lebendig geblieben, und sie wird bei Kriegstanzvorführungen, dem "haka", und traditionellem Essen, "hangi", eindrucksvoll in klingende Münze umgesetzt. Die Touristen kommen aber nicht nur hierher, damit ihnen das Geld aus der Tasche gezogen wird. Nein, denn neben den Thermalbädern locken kristallklare Seen und zahlreiche grüne Wälder auf dem vulkanischen Plateau sie scharenweise an. Die Seen um Rotorua gelten neben Lake Taupo als die besten Forellengründe in Neuseeland. Angler gibt es hier wie Sand am Meer.
So, nachdem wir am späten Nachmittag in Rotorua ankamen, fuhren wir zunächst zu unserer Unterkunft, der Jugendherberge. Die Rezeption sah vielversprechend aus, doch als wir unser Zimmer betraten, traf es mich wie einen Blitz: es war ein dunkles Loch mit einem Doppelbett (eine große Matratze) drin, was sehr zu wünschen übrig ließ. Setzte sich einer aufs Bett, musste der andere fürchten, aus dem Bett zu fallen, weil die Federung sehr "sprunghaft" war. Die Nacht versprach keine gute Nacht. Von dieser waren wir aber noch weit entfernt, da wir uns so eine Maori-Vorstellung mit Tanz und Essen gönnen wollten, also richtige Touris sein wollten. Wir entschieden uns für das "Mitai Maori Village" (www.mitai.co.nz). Zunächst waren wir beide einwenig geschockt, da alle Besucher, es waren wohl 200 bis 250 an der Zahl, in ein riesiges Zelt hineingefercht wurden, wo lange Tische auf uns warteten. Aber unsere Befürchtung lösten sich in Luft auf. Nach einer relativ langen Einführung über den Ablauf des Abends strömten wir hinaus, um unser Hangi anzugucken. Hierbei handelt es sich um ein Maori-Essen, das traditionell zubereitet wird. Dazu werden heiße Steine zusammen mit dem (mit einem Tuch abgedeckten) Essen (Fleisch, Gemüse) in ein Erdloch gelegt, abgedeckt, um es dann nach mehreren Stunden gar wieder hervorzuholen. Nach Aussage der Maori-Dame kann das Essen nicht zerkocht werden. Nachdem uns das Essen im Erdloch kurz präsentiert wurde, wurden wir auch schon in den Busch geführt, wo die Vorführung ihren Anfang nahm. Alle standen wir am kleinen Fluss, um der Ankunft der Krieger in ihrem "waka" (Kriegskanu) zuzusehen und zuzuhören. Männer im Baströckchen sitzen in ihrem Kanu und wollen den Neuankömmlingen mit ihren Gesängen und Gesten Angst einjagen. War richtig nett, und in dieser Umgebung konnte man es etwas erahnen, wir das vor 200 bis 300 Jahren auf die ersten weißen Siedler gewirkt haben musste. Die Paddel wurden dabei in einem bestimmten Rythmus gegen das Kanu geschlagen und ab und zu wurden den Gästen, sprich uns, die Zungen ausgestreckt und "furchteinflößende" Grimassen gezogen. Wir wurden vorher ausdrücklich darauf hingewiesen, nicht zu lächeln, geschweigedenn zu lachen, weil es einer Beleidigung des ganzen Maori-Stammes gleichkäme. Wir wollten ja schließlich nicht als Teil des "Hangis" enden ;)
Als die Krieger ihr Kanu verließen, wurden wir dann auch zu einem anderen großen Zelt geführt, dessen eine Seite offen war. Dort befand sich auch die Bühne, die sehr natürlich gehalten wurde. Damit meine ich, dass die Natur die Bühne war. Verwirrt? Ich auch! Uns wurden Tänze und Gesänge vorgeführt, deren Bedeutung uns auch humorvoll erklärt wurden. Wir erhielten einen recht guten Einblick in die Maori-Kultur (Geschichten, Legenden, Waffen, Kampf) und auf nackte, zum Teil echte Tätowierungen der Männerhaut. Das war schon sehr beeindruckend. Kann man wirklich jedem empfehlen!!! Kultur schön und gut, aber der Hunger war nicht aufzuhalten. Schließlich wurden wir dann endlich wieder in unser "Anfangszelt" hineingeführt, wo das Essen auf uns wartete. Das Buffet war brechend voll mit leckerem Essen. Huhn, Lahm, Gemüse, Salate, andere Beilagen sowie Saucen und Dessert waren im Überfluss vorhanden. Das Fressen konnte also beginnen. Diejenigen, die unser Essverhalten kennen, wissen, wieviel wir verdrücken können!!! Und es war wirklich eine Menge. Wir platzten förmlich aus allen Nähten. Aber es war doch sooooooooooo lecker.....
Vollgefressen und vollkommen bewegungsunfähig saßen wir noch eine gewisse Zeit auf unseren Plätzen, um in kleinen Gruppen in den Busch des Dorfes geführt zu werden, damit wir uns die Natur und Glühwürmchen angucken konnten. Da es schon ziemlich dunkel war, bekamen wir auch Taschenlampen. So lauschten wir also den Geschichten unserer Führerin zu und betrachteten Glühwürmchen und Aale im Wasser. Man merkte, dass der Familienbetrieb recht lange existierte, denn das Ganze war sehr gut durchorganisiert.
In der Jugendherberge angekommen, rollten wir uns ins Bett. Morgen sollte die Fahrt weitergehen, denn eine weitere Nacht in diesem Loch wollten wir nicht verbringen.

Dienstag, 25. März 2008

29.12. Taupo/Rotorua

Unser Frühstück an diesem Tag unterschied sich nicht erheblich von den anderen Tagen zuvor, aber der Ausblick war wunderschön. Hoch oben über Stadt an einem Aussichtspunkt ließ sich unser Frühstück besser hinunterwürgen. Ein kurzer Abstecher zu den Huka Falls und zu einem Honig-Laden, und schon ging die Fahrt gen Norden Richtung Rotorua. Die Sonne schien unermüdlich. Diesen Tag mussten wir irgendwie draußen verbringen und nicht nur in der Karre. Ein Ziel war auch schon schnell ausgesucht: das Waimangu Volcanic Valley (www.waimangu.com).
Laut Reiseführer eine einfache Tour, bei der es hauptsächlich berab geht - also genau das Richtige für diesen heißen Tag. Das Waimangu Volcanic Valley kann man wirklich jedem empfehlen. Es ist für jedes Alter und jede Kondition geeignet. Es war ein schöner Spaziergang in einer bizarren und manchmal stark übelriechenden Welt. Vorbei ging es an verschiedenen Kratern, dampfenden Gewässern und heißen Bächen mit klangvollen Namen wie: Smaragd Teich, Bratpfannensee, Echokrater, Inferno Krater See, Vogelnest Terasse, Mördermuschel Quelle usw. Diese Farbenpracht kann man sich gar nicht vorstellen. (Also brav unsere Bilder auf Flickr.com angucken, damit die Vorstellungskraft nicht allzu stark beansprucht wird.) Persönlich fand ich die Bezeichnung "Frying Pan Lake" (Bratpfannensee) ganz lustig. Überall zischte und brodelte es. Schon erschreckend, wenn man sich bewusst macht, dass man eigentlich auf einer tickenden Zeitbombe herumläuft. Die ganze Gegend ist sehr aktiv, was man hören, fühlen und riechen konnte. Davon wollten wir uns natürlich auch richtig überzeugen. Und wie macht man das? Finger in einen heißen Bach halten. Es war wirklich heiß. Um so beeindruckender ist es, dass zahlreiche Pflanzen hier noch wachsen - sogar am heißen Bach! Aber die Pflanzen, deren Blätter ins Wasser hineinragen, haben auch schon Verbrennungen davon getragen. Ja ja, das Leben ist schon wundersam und sehr anpassungsfähig. Von diesen kleinen Wundern wurden auch zahlreiche Bilder geschossen. Naja, der Lange hat reichlich Bilder geknipst. Meine Batterien waren leider leergeluscht :( So hatte ich zumindest genug Zeit gehabt, mir alles genau anzugucken, und die Dinge zu finden, die in unserem deutschen "Reiseführer" und "Führer für Entdecker" beschrieben wurden. Aber das war soviel Lesematerial, dass man das Lesen irgendwann aufgab. Man sah ja sonst nichts von der Gegend!!! Nach dieser Lauferei gönnten wir uns auch noch eine Bootsfahrt auf dem Rotomahanasee. Diese muss man auch gemacht haben. So konnte man auch die Landschaft zu Wasser richtig auf sich einwirken lassen. Auch Vogelfreunde kommen hier auf ihre Kosten. Dieser See und das Tal sind Teile eines Natur- und Tierschutzgebietes, was zahlreichen Vogelarten ein Zuhause bietet.
Bis zum Jahre 1886 gab es hier die weltberühmten Weißen und Rosa Terassen, ähnlich denen in Pamukkale, Türkei, in denen man heiß baden konnte. Leider wurden die neuseeländischen Terassen in den frühen Stunden des 10. Juni 1886 durch einen gewaltigen Vulkanausbruch vollkommen zerstört. Der Ausbruch, mit einer Länge von 16 km und einer Ausdehnung von 1 km, bedeckte insgesamt eine Fläche von 15000qkm. Nachdem wir auf dem Wasser von "Wenigem" viel gesehen hatten, fuhren wir mit dem Bus zum Ausgangspunkt unserer "Tal-Tour" zurück. Nichtsdestotrotz ist die Bootstour sehr zu empfehlen, da man sich beim Anblick einer bezaubernden Landschaft wunderbar entspannen konnte. Am späten Nachmittag kamen wir dann schließlich in Rotorua an.


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Mittwoch, 19. März 2008

28.12.07 Taupo

Taupo liegt etwa 84 km südlich von Rotorua und war früher mal ein verschlafenes Städtchen an einem großen, fischreichen See. Heute ist Taupo ein stetig wachsender und sehr beliebter Ferienort. Neuseelands größter See, Lake Taupo, lockt jährlich unzählige Besucher an, unter anderem auch uns.
Der See ist mit ca. 616 qkm etwas größer als der Staat Singapur und liegt in einem riesigen vulkanischen Einbruchsbecken: 40 km lang, fast 20 km breit und weit über 100 m tief. Vor ungefähr 300000 Jahren brach der Taupo-Vulkan das erste Mal aus, dann wieder 181 v. Chr. Das war wohl einer der größten Vulkanausbrüche der Welt. Asche dieser Eruption soll sogar in Europa und China die Sonne verdunkelt haben. Danach stürzte der Krater in sich zusammen, und siehe da, da war der Taupo See, der heute von 40 Flüssen und Bächen gespeist wird. Kein Wunder also, dass dieser See mit seinen riesigen Regenbogenforellen eines der bekanntesten Angelreviere und eine regelrechte Pilgerstätte für Forellenangler aus aller Welt ist. Im Jahre 1884 gab es anscheinend keine strengen Quanrantänevorschriften, denn dann wurden die ersten Regenbogenforelleneier ins Land gebracht. Heute werden jeden Tag tonnenweise Forellen aus dem Lake Taupo und den umliegenden Bächen und Flüssen gefischt. Es gibt aber eine Einschränkung: Fischen ja, aber nur zum persönlichen Verzehr, denn der Handel in Neuseeland ist verboten; man kann sie auch nicht kaufen. Möchte man eine Regenbogenforelle im Restaurant verspeisen, muss man diese vorher selber wohl fischen. Angelscheine kann man hier ohne Probleme fast überall erhalten.
Die Taupo-Region entwickelte sich aber landwirtschaftlich gesehen sehr schleppend. Kühe und Schafe konnten in dieser Gegend nicht überleben. Den Grund dafür fand man erst im Jahre 1930: der Boden enthielt zu wenig Kobolde, ähhhm, ich meine natürlich Kobalt. Also, hier ein wenig Kobalt und da ein bisschen Kobalt, und schon kann man sich heute diese Gegend ohne Kühe und Schafe gar nicht mehr vorstellen.
Tja, außer dem herrlichen See mit seinem ebenso herrlichen Panorama hat der Ort selbst nicht viel Sehenswertes zu bieten. Was macht man in so einer Situation? Ab zum See, der einzigen Attraktion dieser Stadt. Nicht nur Fischer haben etwas davon, auch Wassersportler kommen hier auf ihre Kosten: Wasserski, Kayak oder einfach durch die Gegend schippern. All das kann man machen. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob man das hier auch Wassersportart nennen kann:
Bild: Golfbälle im See versenken

Wir entschieden uns für eine Kayaktour zum "Wandgemälde", das man nur vom Wasser aus sehen kann. Unser Tourguide musste seine Schäfchen, sechs an der Zahl, erstmal einsammeln, um zum See zu fahren. Nachdem wir eine kurze Einführung zum Kayaking bekamen und unsere Wasserröckchen (siehe Flickr) angezogen hatten, konnte die Fahrt auch schon losgehen. Der Lange und ich wurden aber gewarnt: unser Kayak soll angeblich das "Scheidungsboot" sein. Naja, mal sehen, wie gut unsere Ehe ist. Zunächst aber paddelten wir an steilen Klippen und Mini-Buchten vorbei. Antrieb gaben die Paddel; das Lenken erfolgte über Fußpedale des Hintermannes. In unserem Fall musste man von Hinterfrau reden, denn die Kurze war am Steuer. Mal schauen, wohin die Reise hingeht. Das Wasser war noch sehr ruhig, und die Temperatur war sehr angenehm. Von einer Bucht zur nächsten wurde das Wasser aber störrischer, und man wurde hier und da etwas nass. Oder war es doch der Schweiß??? Nach langer Paddelei kamen wir schließlich beim "Wandgemälde" an. Eigentlich handelt es sich um überdimensionale in die Felswand gehauene Reliefdarstellungen. Es ist aber nicht alt, sondern wurde in den 80er Jahren von zwei Künstlern in langjähriger Arbeit fertiggestellt. Soweit ich mich noch erinnere stellt es einen Maori-Gott dar, der die Reisenden zu Wasser beschützt. Lange verweilten wir an dieser Stelle aber nicht - das Wasser war einfach zu unruhig und einige waren kurz vorm Kentern. Ein super verwackeltes Bild konnte ich dennoch schießen. Trotz des tosenden Wassers blieb die Kamera trocken. Schwein gehabt!!!
In der nächsten oder übernächsten Bucht machten wir ein Päuschen mit allem drum und dran: Klapptisch und -stühle, Kocher, Becher, Teller undsoweiter undsofort. Ist schon erstaunlich, was alles so in Kayaks hineinpasst. Unser Kayak-Guide hatte alles dabei gehabt, sogar verschiedene Teesorten. Als er aber von einem Teebaum erzählte, dessen Tee sogar noch viel besser als grüner Tee schmecken soll, wurden wir alle sehr neugierig auf diesen Tee. Plötzlich wollte keiner mehr einen der Standardtees haben. Jeder wollte diesen Teebaum-Tee probieren. Gesagt, getan. Er drehte sich auf seinem Klappstuhl um, und fing an, die jungen Austriebe des Busches auszurupfen, der sich zufälligerweise hinter ihm befand. Um genauer zu sein, handelt es sich nicht um Teebaum-Tee, sondern Teebusch-Tee in unserem Fall. Nach kurzer Ziehzeit (wie beim grünen Tee auch), schlürften wir alle unser heißes Gebräu. Ich muss sagen, dass er wirklich gut schmeckte. Den Namen dieser Pflanze muss man sich merken: Manuka. Nach einem kräftigenden Snack (Sandwich, Tee, Süßkram) nahmen wir dann schließlich die letzte Etappe in Angriff. An unserem Ausgangspunkt angekommen, beluden wir den Anhänger mit den Kayaks und fuhren wieder in die Stadt hinein, wo sich unsere Wege teilten. Der Lange und ich blieben auf einem gemeinsamen Weg, also nichts mit "Scheidungsboot".
Der Tag war noch relativ jung, und so entschlossen wir uns zu den "Huka Falls" (Huka Wasserfälle) zu fahren. Diese befinden sich ca. 1,5 km nördlich von Taupo im Waikato Fluss, dem längsten Fluss Neuseelands (425 km), der vom Lake Taupo gespeist wird. Anfangs mit einer Breite von ca. 100 m wird der Waikato Fluss durch vulkanisches Gestein auf eine Breite von 15 m gequetscht, um dann in eine Tiefe von 11 m zu stürzen. Bei so einem Massenselbstmord der Wassermoleküle bleibt der ohrenbetäubende Lärm und viel Schaum nicht aus. Huka bedeutet bei den Maori übrigens Schaum. Da macht der Name Huka Falls jetzt viel mehr Sinn. Pro Sekunde können 220000 Liter Wasser hinuntertosen. Die Betonung liegt auf "können". Da die Huka Falls zur Stromgewinnung genutzt werden, wird die Menge an Wasser reguliert, je nachdem, wieviel Strom benötigt wird (im Winter kann das schon eine Menge sein). Abends, als wir da waren, gab es nicht die Menge an Touristen, was eigentlich sehr schön und angenehm war. Fast alle Aussichtspunkte gehörten uns. Möchte man den Huka Falls aber noch näher kommen, also nassmäßig nah, dann muss man in den Huka-Jet einsteigen (http://www.hukafallsjet.com/page/5-Home). Schwimmen ist nicht zu empfehlen. Aber dennoch hatten die Huka Falls unsere volle Aufmerksamkeit. Eine andere Art der Aufmerksamkeit zogen die Wasserfälle auf sich im Jahre 1989. Damals wurde ein Cricket Schiri mit gefesselten Händen und Füßen tot in den Gewässern der Huka Falls gefunden. Cricket scheint doch ein gefährliches Spiel zu sein.
So sieht das ganze Naturschauspiel von oben aus:

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Als uns dann so langsam der Hunger überfiel, fuhren wir zum nächsten Supermarkt, kauften Brot, Käse usw. ein und fuhren zu einem Aussichtspunkt, wo wir über ganz Taupo einen wunderschönen Ausblick bei Sonnenuntergang hatten. Wir entschieden uns, am nächsten Tag nochmals zu den Huka Falls zu fahren, um diese noch bei richtigem Sonnenschein zu sehen, bevor wir nach Rotorua fahren wollten.