Mittwoch, 19. März 2008

28.12.07 Taupo

Taupo liegt etwa 84 km südlich von Rotorua und war früher mal ein verschlafenes Städtchen an einem großen, fischreichen See. Heute ist Taupo ein stetig wachsender und sehr beliebter Ferienort. Neuseelands größter See, Lake Taupo, lockt jährlich unzählige Besucher an, unter anderem auch uns.
Der See ist mit ca. 616 qkm etwas größer als der Staat Singapur und liegt in einem riesigen vulkanischen Einbruchsbecken: 40 km lang, fast 20 km breit und weit über 100 m tief. Vor ungefähr 300000 Jahren brach der Taupo-Vulkan das erste Mal aus, dann wieder 181 v. Chr. Das war wohl einer der größten Vulkanausbrüche der Welt. Asche dieser Eruption soll sogar in Europa und China die Sonne verdunkelt haben. Danach stürzte der Krater in sich zusammen, und siehe da, da war der Taupo See, der heute von 40 Flüssen und Bächen gespeist wird. Kein Wunder also, dass dieser See mit seinen riesigen Regenbogenforellen eines der bekanntesten Angelreviere und eine regelrechte Pilgerstätte für Forellenangler aus aller Welt ist. Im Jahre 1884 gab es anscheinend keine strengen Quanrantänevorschriften, denn dann wurden die ersten Regenbogenforelleneier ins Land gebracht. Heute werden jeden Tag tonnenweise Forellen aus dem Lake Taupo und den umliegenden Bächen und Flüssen gefischt. Es gibt aber eine Einschränkung: Fischen ja, aber nur zum persönlichen Verzehr, denn der Handel in Neuseeland ist verboten; man kann sie auch nicht kaufen. Möchte man eine Regenbogenforelle im Restaurant verspeisen, muss man diese vorher selber wohl fischen. Angelscheine kann man hier ohne Probleme fast überall erhalten.
Die Taupo-Region entwickelte sich aber landwirtschaftlich gesehen sehr schleppend. Kühe und Schafe konnten in dieser Gegend nicht überleben. Den Grund dafür fand man erst im Jahre 1930: der Boden enthielt zu wenig Kobolde, ähhhm, ich meine natürlich Kobalt. Also, hier ein wenig Kobalt und da ein bisschen Kobalt, und schon kann man sich heute diese Gegend ohne Kühe und Schafe gar nicht mehr vorstellen.
Tja, außer dem herrlichen See mit seinem ebenso herrlichen Panorama hat der Ort selbst nicht viel Sehenswertes zu bieten. Was macht man in so einer Situation? Ab zum See, der einzigen Attraktion dieser Stadt. Nicht nur Fischer haben etwas davon, auch Wassersportler kommen hier auf ihre Kosten: Wasserski, Kayak oder einfach durch die Gegend schippern. All das kann man machen. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob man das hier auch Wassersportart nennen kann:
Bild: Golfbälle im See versenken

Wir entschieden uns für eine Kayaktour zum "Wandgemälde", das man nur vom Wasser aus sehen kann. Unser Tourguide musste seine Schäfchen, sechs an der Zahl, erstmal einsammeln, um zum See zu fahren. Nachdem wir eine kurze Einführung zum Kayaking bekamen und unsere Wasserröckchen (siehe Flickr) angezogen hatten, konnte die Fahrt auch schon losgehen. Der Lange und ich wurden aber gewarnt: unser Kayak soll angeblich das "Scheidungsboot" sein. Naja, mal sehen, wie gut unsere Ehe ist. Zunächst aber paddelten wir an steilen Klippen und Mini-Buchten vorbei. Antrieb gaben die Paddel; das Lenken erfolgte über Fußpedale des Hintermannes. In unserem Fall musste man von Hinterfrau reden, denn die Kurze war am Steuer. Mal schauen, wohin die Reise hingeht. Das Wasser war noch sehr ruhig, und die Temperatur war sehr angenehm. Von einer Bucht zur nächsten wurde das Wasser aber störrischer, und man wurde hier und da etwas nass. Oder war es doch der Schweiß??? Nach langer Paddelei kamen wir schließlich beim "Wandgemälde" an. Eigentlich handelt es sich um überdimensionale in die Felswand gehauene Reliefdarstellungen. Es ist aber nicht alt, sondern wurde in den 80er Jahren von zwei Künstlern in langjähriger Arbeit fertiggestellt. Soweit ich mich noch erinnere stellt es einen Maori-Gott dar, der die Reisenden zu Wasser beschützt. Lange verweilten wir an dieser Stelle aber nicht - das Wasser war einfach zu unruhig und einige waren kurz vorm Kentern. Ein super verwackeltes Bild konnte ich dennoch schießen. Trotz des tosenden Wassers blieb die Kamera trocken. Schwein gehabt!!!
In der nächsten oder übernächsten Bucht machten wir ein Päuschen mit allem drum und dran: Klapptisch und -stühle, Kocher, Becher, Teller undsoweiter undsofort. Ist schon erstaunlich, was alles so in Kayaks hineinpasst. Unser Kayak-Guide hatte alles dabei gehabt, sogar verschiedene Teesorten. Als er aber von einem Teebaum erzählte, dessen Tee sogar noch viel besser als grüner Tee schmecken soll, wurden wir alle sehr neugierig auf diesen Tee. Plötzlich wollte keiner mehr einen der Standardtees haben. Jeder wollte diesen Teebaum-Tee probieren. Gesagt, getan. Er drehte sich auf seinem Klappstuhl um, und fing an, die jungen Austriebe des Busches auszurupfen, der sich zufälligerweise hinter ihm befand. Um genauer zu sein, handelt es sich nicht um Teebaum-Tee, sondern Teebusch-Tee in unserem Fall. Nach kurzer Ziehzeit (wie beim grünen Tee auch), schlürften wir alle unser heißes Gebräu. Ich muss sagen, dass er wirklich gut schmeckte. Den Namen dieser Pflanze muss man sich merken: Manuka. Nach einem kräftigenden Snack (Sandwich, Tee, Süßkram) nahmen wir dann schließlich die letzte Etappe in Angriff. An unserem Ausgangspunkt angekommen, beluden wir den Anhänger mit den Kayaks und fuhren wieder in die Stadt hinein, wo sich unsere Wege teilten. Der Lange und ich blieben auf einem gemeinsamen Weg, also nichts mit "Scheidungsboot".
Der Tag war noch relativ jung, und so entschlossen wir uns zu den "Huka Falls" (Huka Wasserfälle) zu fahren. Diese befinden sich ca. 1,5 km nördlich von Taupo im Waikato Fluss, dem längsten Fluss Neuseelands (425 km), der vom Lake Taupo gespeist wird. Anfangs mit einer Breite von ca. 100 m wird der Waikato Fluss durch vulkanisches Gestein auf eine Breite von 15 m gequetscht, um dann in eine Tiefe von 11 m zu stürzen. Bei so einem Massenselbstmord der Wassermoleküle bleibt der ohrenbetäubende Lärm und viel Schaum nicht aus. Huka bedeutet bei den Maori übrigens Schaum. Da macht der Name Huka Falls jetzt viel mehr Sinn. Pro Sekunde können 220000 Liter Wasser hinuntertosen. Die Betonung liegt auf "können". Da die Huka Falls zur Stromgewinnung genutzt werden, wird die Menge an Wasser reguliert, je nachdem, wieviel Strom benötigt wird (im Winter kann das schon eine Menge sein). Abends, als wir da waren, gab es nicht die Menge an Touristen, was eigentlich sehr schön und angenehm war. Fast alle Aussichtspunkte gehörten uns. Möchte man den Huka Falls aber noch näher kommen, also nassmäßig nah, dann muss man in den Huka-Jet einsteigen (http://www.hukafallsjet.com/page/5-Home). Schwimmen ist nicht zu empfehlen. Aber dennoch hatten die Huka Falls unsere volle Aufmerksamkeit. Eine andere Art der Aufmerksamkeit zogen die Wasserfälle auf sich im Jahre 1989. Damals wurde ein Cricket Schiri mit gefesselten Händen und Füßen tot in den Gewässern der Huka Falls gefunden. Cricket scheint doch ein gefährliches Spiel zu sein.
So sieht das ganze Naturschauspiel von oben aus:

Größere Kartenansicht

Als uns dann so langsam der Hunger überfiel, fuhren wir zum nächsten Supermarkt, kauften Brot, Käse usw. ein und fuhren zu einem Aussichtspunkt, wo wir über ganz Taupo einen wunderschönen Ausblick bei Sonnenuntergang hatten. Wir entschieden uns, am nächsten Tag nochmals zu den Huka Falls zu fahren, um diese noch bei richtigem Sonnenschein zu sehen, bevor wir nach Rotorua fahren wollten.

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