Samstag, 14. Juni 2008

2.1.08 Whitianga/Napier

Nach einer nicht so guten Nacht standen wir früh auf. Nach einem verkrampften Frühstück beschlossen wir dann auch, so schnell wie möglich zum Arzt zu gehen. Dieser Zustand war nicht mehr normal. Der Lange konnte nicht aufrecht gehen, geschweigedenn überhaupt richtig gehen. Alles wurde in den Wagen gestopft. Nachdem wir an der Rezeption der Jugendherberge nach einem Arzt in der Nähe fragten, bekamen wir eine sehr verwirrende Wegbeschreibung. Die Zeichnung, die uns dann in die Hand gedrückt wurde, half uns auch nicht weiter. Unsere einzige Hoffnung war unser Navigationsgerät. Dieses leitete uns auch direkt und zuverlässig zum Arzt; dieser war sogar in unserem Gerät "eingespeichert". Der Lange benutzte mich wieder als Stütze, und wir schlichen uns förmlich durch die Hintertür in die Praxis. Das Wartezimmer war vollgestopft mit hauptsächlich älteren Menschen. Aber sogar die bewegten sich geschmeidiger als der Lange. Nach einer akzeptablen Wartezeit, ging es in Zeitlupe zum Behandlungsraum. Der Arzt empfing uns an der Tür, allerdings ohne Handschlag. Diesen hatten wir ihm aber doch noch auferzwungen. Der Lange war nun dran, zu erzählen, wie er zu seiner Haltung gekommen war. Der Arzt wollte es sehr genau wissen, da bei einem plötzlich auftretenden Schmerz (wenn man z.B. etwas falsch angehoben hat) die sogenannte ACC für die Behandlung die Kosten übernimmt. Wir hätten eigentlich nur etwas mogeln müssen, da wir aber beide ehrlich sind, taten wir es nicht. Der ganze Zustand wurde von Minute zu Minute schlimmer, also kein plötzlicher Schmerz. Zur genaueren Untersuchung sollte sich der Lange bäuchlings auf die Liege legen, die für meinen Geschmack extrem kurz war. Sie reichte dem Langen gerade mal bis kurz unter´s Knie. Ich half ihm auf die Liege. Der Arzt krümmte keinen Finger. Als wir die Liege sahen, wurde uns beiden ziemlich übel. Das Kissen war total verschuppt. Der Lange wusste gar nicht, wie er sich darauflegen sollte, ohne diese Schüppchen einatmen zu müssen. Ich bemerkte sein zögern. Letztendlich verschänkte er seine Arme und lag da nun. Der Arzt drückte hier und da auf seinen Rücken und gab sonst keinen weiteren Ton von sich. Der Lange musste dann wieder aufstehen. Erst da sah ich, wie der Rücken aussah. Es war förmlich ein "S" in seinem Rücken zu sehen. Die Muskulatur war so verkrampft, dass die Wirbel aus der Reihe tanzten. In Deutschland hätte unser Arzt dem Langen eine Entspanungsspritze gegeben. Aber als ich diesen Arzt nach soetwas fragte, guckte er mich an, als ob ich von einem anderen Stern käme. Eine Voltaren-Spritze würde doch die Muskulatur auflösen. Ich hatte doch von einer derartigen Spritze gar nicht gesprochen!!! Der einzige Rat von ihm: "Nehmen Sie 3x täglich je Voltaren- und Paracetamoltabletten. Das wird reichen. Ein Physiotherapeut wäre auch nicht schlecht." Auf meine Frage hin, ob Massagen auch etwas bringen würden, bejahte er diese nur kurz. Für ein Voltaren-Rezept und diese tolle hygienische Untersuchung bezahlten wir am Ende 100 Dollar. Der Arzt hieß mit Nachnamen übrigens MacDonald. Für meinen Geschmack war das ein ziemlich teurer M(a)cDonald´s Besuch!!! Der Kommentar des Langen: "Zu so einem Wald und Wiesen gehe ich nicht nochmal!" Mit dem Rezept in der Hand statteten wir der Apotheke in dem kleinen Örtchen auch noch einen Besuch ab. Da musste ich relativ lange auf die Tabletten warten. Der Grund war keine lange Schlange. In Neuseeland scheint es üblich zu sein, den Arzt zu kontaktieren, der das Rezept ausgestellt hat, um sicher zu gehen, dass alles auch seine Richtigkeit hat. Nachdem ich endlich die Tabletten hatte, konnte die Fahrt Richtung Napier auch endlich losgehen. Wir machten reichlich Pausen, damit der Lange sich auch mal bewegen konnte. Bewegung sollte ja auch ganz gut tun. Bei einer längen Pause aßen wir auch eine Kleinigkeit. Es war eine kleine Parkbucht mit zwei Picknick-Tischen und Bänken. Dieses Päuschen wurde auch für eine Massage genutzt. In unserer Nähe war ein Campervan mit einem älteren Pärchen. Ich wette, dass der Mann seiner Dame tief in die Augen guckte, in der Hoffnung, von seiner Herzensdame auch eine Rückenmassage zu bekommen. Aber auch jede noch so schöne Massage hat ein Ende.
Am späten Nachmittag kamen wir dann schließlich in Napier an, einer kleinen Stadt im Osten der Nordinsel in einer der sonnigsten Gegenden Neuseelands. So zum Ende unserer Nordinseltour gönnten wir uns ein Bed & Breakfast. Zunächst mussten aber auch hier Taschen geschleppt werden. Da der Lange zu diesem Zeitpunkt zu wirklich nichts zu gebrauchen war, musste ich den Part des Packesels übernehmen. War wahrscheinlich ein Bild für die Götter: der Lange hatte als Alibi eine kleine Tüte, und ich war kam mir vor, wie ein vollbehangener Weihnachtsbaum. Ein Bild von uns beiden in diesem Moment wäre echt lustig gewesen.

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