Napier ist ein schnuckelig, kleines Städtchen mit ca. 55000 Einwohnern. Im Ortskern findet man vornehmlich Gebäude im sogenannten Art-deco-Stil der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre. Warum stellt man sich jetzt die Frage. Der Grund ist allerdings ein trauriger:
Am 3. Februar 1931 um 10.47 Uhr morgens legte ein gewaltsames Erdbeben, mit einer Stärke von 7,9 auf der nach oben offenen Richterskala, die gesamte Stadt in Schutt und Asche. Dieses Beben war so stark, dass man es sogar im fernen Großbritannien registrieren konnte. In den darauf folgenden zehn Tagen bebte die Erde noch ca. 580 mal. Für damalige Zeiten war die Anzahl der Toten ziemlich hoch: insgesamt 258. Die Wasserversorgung war ein riesiges Problem, da der große Wasserturm umgekippt war. Die Menschen ließen sich aber nicht unterkriegen und bildeten ein Kommitee, das sich mit dem neuen Gesicht der Stadt beschäftigte. Man nahm sich die Kalifornier als "Vorbild". Deren Stadt Santa Barbara wurde nämlich auch von einem Erdbeben vor sechs Jahren zerstört. Neuaufgebaut hatten sie es dann im spanischen Stil. In Napier entschied man sich für den Art-deco-Stil, damals noch Modernism genannt. So schlimm ein Erdbeben sein mag, manchmal hat es auch etwas Gutes: Napier bzw. Neuseeland nahm um 33,43 qkm zu. Dieses neue Land nutzte man für einen Flughafen und Neubausiedlungen. In zwei Jahren war Napier wieder aufgebaut.
Dieser Tag empfing uns mit herrlichstem Wetter. Nach einem super leckeren Frühstück, war ja diesesmal B&B mit selbstgemachter Erdbeerkonfitüre, wollten wir uns die Stadt und die Art-deco Gebäude mal näher angucken. Im Ortskern war man von diesen Gebäuden umzingelt, und wir fühlten uns in die Vergangenheit zurück versetzt. Will man dieses Gefühl noch verstärken, muss man am dritten Wochenende im Februar hierher kommen. Beim Art-Deco-Festival feiert die ganze Stadt: viele kleiden sich im 20/30er-Jahre Stil, zeigen ihre Oldtimer auf den Straßen, und von überall erklingt Jazz Musik. Muss ein wirklich schönes Erlebnis sein; Unterkünfte sind Wochen ja sogar Monate vorher ausgebucht.
Der Lange stackste so durch die Stadt, und wir knipsten uns die Finger wund. Ich weiß von meinem Langen, dass er dieses Bummeln überhaupt nicht mag. Für seinen Rücken war diese Art der Anstrengung auch wohl nicht so optimal. Was macht man also, wenn man nicht richtig laufen kann? Man säuft sich die Hucke voll!!!Bei inzwischen 33°C im Schatten entschieden wir uns für eine geführte Weintour, damit wir beide saufen konnten. Diese ganze Gegend ist für guten Wein bekannt, schließlich herrschen hier über das ganze Jahr gesehen milde Temperaturen. Geführte Weintouren gibt es hier wie Sand am Meer - Touren per Bus oder sogar per Fahrrad von Winzerei zu Winzerei. Darf man eigentlich sich per Fahrrad fortbewegen, wenn man einen sitzen hat? Es gibt sogar Touren, die um 9.00 Uhr morgens starten und den ganzen Tag dauern. Wir wollten aber nicht gleich nach dem Zähneputzen die Zähne desinfizieren. Zum Glück gibt es ja auch noch Nachmittagstouren.
Wir wurden zunächst mit einem Kleinbus abgeholt um dann in einen riesigen Reisebus umzusteigen, der uns zu vier Winzereien fahren würde. Anfangs waren die Leutchen sehr schweigsam im Bus, nur die Fahrerin erzählte etwas über die Gegend und über den nächsten Stopp in der Weinerei, ich meine natürlich Winzerei. Der erste Stopp gefiel mir persönlich sehr gut. Die Umgebung war wunderschön, und der Wein floss. Von Winzerei zu Winzerei wurde die Fahrerin immer stiller, dafür aber die Fahrgäste immer lauter und lustiger. Es gab zwar immer nur winzige Schlückchen an Wein, aber ein leerer Magen und heiße Temperaturen verursachten, dass der Alkohol förmlich direkt ins Hirn schoss. Gekauft hatten wir allerdings keinen Wein. Betrunken soll man ja keine weltbewegenden Entscheidungen treffen. Noch im nüchternen Zustand hatten wir beschlossen, erst alles auszuprobieren, und die, die uns geschmeckt hatten zu notieren, um dann am nächsten Tag mit klarem Kopf einkaufen zu fahren. Ich kann mich gar nicht mehr richtig daran erinnern, was wir direkt nach der Weintour gemacht hatten. Filmriss.
Unser Abendessen hatten wir im "Wok u want". Hier konnte man sein Essen selbst zusammenstellen, mit allem drum und dran. Alles, was man in die Schüssel stopfen konnte, wurde dann vom Koch direkt vor den Augen des Kunden auf einer großen heißen Platte gebrutzelt. War echt lecker, und Softgetränke gab es bis zum Abwinken. So am Abend kamen wir noch ins Gespräch mit neuen Gästen in unserem B&B und erzählten von unserer Weintour. Vom Frühstück und der hausgemachten Erdbeerkonfitüre hatten wir auch noch geschwärmt. Diese sollten sie unbedingt am nächsten Morgen probieren!
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